Die Griechen und die Liebe – Mein alter Freund Jochen ist tot

Am frühen Freitagmorgen ist mein alter Freund und Kollege Jochen gestorben. Die Nachricht ereilte mich am Rande eines Strafprozesses in Thüringen und hat mich das ganze Wochenende über immer wieder gedanklich beschäftigt. Ach ja, der Jochen. In diesem September wäre er 60 Jahre alt geworden, aber der Krebs hat mit enormer Vehemenz zugeschlagen und mir dadurch den für heute geplanten Abschiedsbesuch im Krankenhaus unmöglich gemacht.

Mit Jochen habe ich einen Teil meiner Jugend geteilt und ihn danach noch fast 3 Jahrzehnte hinweg begleitet, bevor ich mich dazu entschlossen habe, den Kontakt – von Zufallsbegegnungen abgesehen – abzubrechen. In meinen jungen Jahren hat mich seine Intellektualität gefangen genommen, wir haben nächtelang über politische, ethische und philosophische Fragen diskutiert. Ich war gerade 16 Jahre alt, als er von einem einjährigen Auslandsjahr in den USA zurückkam und meiner Obertertia zugewiesen wurde, und da saß er dann ein paar Plätze neben mir, großgewachsen, mit ernstem, bedeutungsvollen Gesicht, sonorer Stimme und eigentümlicher Mimik und Gestik, die mir unendlich erwachsen vorkam. Ein halbes Jahr später ließ er sich aus Protest gegenüber seinem Vater, einem grobklotzigen Lehrer, mit dem er sich nicht gut verstand und dem er dennoch immer imponieren wollte, eine Glatze scheren – ein geradezu revolutionärer Akt in der damaligen Zeit.

Jochen war schon als Jugendlicher trotz seiner herausragenden schulischen Leistungen auf seltsame Art kauzig, so dass ihn Viele für einen Spinner hielten, aber ich hatte schon immer ein Faible für Menschen, die anders waren, deshalb schreckte mich das nicht ab. Ich erinnere mich daran, wie wir als Teenager auf Feten unsere ersten bedeutenden erotischen Erfahrungen sammelten, bis auf Jochen, der irgendwie nur daneben stand ...

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