Eigentor für Media Markt. Oder: Der Kunde ist nicht blöd!

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Wenn eine Werbekampagne schief geht, ist schnell vom „Schnellschuss“ die Rede, oder vom „Eigentor“. Selten hat diese Art Metaphorik so gut gepasst wie im Fall der jüngsten Kampagne des Elektronikhandelsriesen Media Markt: Dieser hatte seinen Kunden bis zum 11.6.2013 die Chance gegeben, die Summe ihres gesamten Kassenbons durch Treffer an einer Torwand zurückzugewinnen.

Bis vor nicht allzulanger Zeit wäre eine solche Aktion generell womöglich als wettbewerbswidriges „übertriebenes Anlocken“ gewertet worden. So hatte etwa das OLG Naumburg (Urteil vom 30.12.1994, Az. 2 U 154/94) geurteilt, dass Kunden „mangels realistischer Einschätzung der vorhandenen fußballerischen Treffsicherheit die Gewinnchancen deutlich höher“ bemessen könnten. Das ist auf dem mittlerweile liberalisierten Wettbewerbsmarkt wohl überholt. Die erhöhte Attraktivität des ausgelobten Gewinnpreises reicht folglich für ein übertriebenes Anlocken nicht mehr aus (vgl. beispielsweise BGH, Urteil vom 5.2.1998, Az. I ZR 151/95). Die Grenze ist nur dann überschritten, wenn die Werbung geeignet ist, die Rationalität der Nachfrageentscheidung der angesprochenen Marktteilnehmer vollständig in den Hintergrund treten zu lassen (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 8.11.2007).

Media Markt hatte es aber wohl versäumt, die Teilnahmebedingungen klar und deutlich zu formulieren. So gab es weder eine Einschränkung der Häufigkeit der erlaubten Schüsse, noch einen Ausschluss von „Profi-Fußballern“ oder der Möglichkeit, für andere Kunden anzutreten. So kam es, dass ein äußerst talentierter Mann, seines Zeichens immerhin Co-Trainer beim Landesliga-Aufsteiger Arminia Eilendorf, mit vielen Toren nicht nur die Ausgaben für seine eigenen Einkäufe, sondern auch die anderer Kunden an der Torwand zurückeroberte ...

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