Diagnosefehler oder unterlassene Befunderhebung?

Dies ist eine Frage, die sich beim Vorwurf einer fehlerhaften Behandlung immer wieder stellt, denn die Unterscheidung zwischen Diagnosefehler und unterlassener Befunderhebung ist häufig mitentscheidend darüber, ob ein Patient seinen Anspruch auf Schadensersatz durchsetzen kann oder nicht.

Die typisch juristische Antwort auf diese Frage lautet: Es kommt darauf an! Der Grund für die zweideutige Antwort ist, dass die Unterscheidung zwischen Diagnosefehler und unterlassener Befunderhebung schwierig ist.

Diagnosefehler Unter einem Diagnosefehler versteht man die Fehlinterpretation von Befunden (z.B. der Ergebnisse der körperlichen Untersuchung oder der Geräte gestützten Untersuchungen). Unterlassene Befunderhebung bedeutet, dass der Arzt es versäumt hat, die gebotenen Untersuchungen durchzuführen.

Rechtsanwältin Irem Scholz, Fachanwältin für Medizinrecht

Ein Diagnosefehler wird von der Rechtsprechung nur zurückhaltend als Behandlungsfehler bewertet, beispielsweise dann, wenn der Diagnosefehler auf der Unterlassung elementarer Befunderhebung beruht. Gerade auch deshalb ist die Unterscheidung so wichtig. Es stellt sich also die Frage, ob der Arzt die vorliegenden Befunde falsch interpretiert hat oder ob er noch nicht alle notwendigen Befunde zur Stellung einer Diagnose erhoben hat.

In dem Blog-Beitrag “Diagnosefehler: Auch Ärzte dürfen irren” haben meine Kollegen, Frau Rechtsanwältin Kamper und Herr Rechtsanwalt Oehlschläger, sich bereits mit dem Thema Diagnosefehler befasst.

Befunderhebungsfehler Während sich die Rechtsprechung bei dem Diagnosefehler zurückhaltend gibt, weil es für den Arzt zuweilen schwierig ist, auf der Grundlage der durchgeführten Untersuchungen und Schilderungen des Patienten eine Diagnose zu stellen, wird bei der Frage, ob der Arzt es versäumt hat, Untersuchungen durchzuführen, ein deutlich schärferer Maßstab angelegt und zwar zu Gunsten des Patienten ...

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