Nachwort zum Kanzleiwechsel von Anja Sturm

Ende letzten Monats wurde bekannt, dass die Strafverteidigerin Anja Sturm aus ihrer seinerzeitigen Kanzlei in Berlin nach Köln in die Kanzlei von Wolfgang Heer wechselt. Wolfgang Heer bildet zusammen mit Wolfgang Stahl und Anja Sturm das Verteidiger-Trio von Beate Zschäpe, angeklagt im Rahmen des NSU-Prozesses.

Die Gründe für diesen Wechsel wurden zunächst in den Medien ausgebreitet. Tenor dieser Berichterstattung war ziemlich durchgängig eine gewisse Empörung darüber, dass Auslöser für den Kanzleiwechsel die Verteidigung von Beate Zschäpe gewesen und dass Anja Sturm einem in Berlin von links wehenden Gegenwind gewichen sein soll.

Zügig entbrannte, angefeuert durch die Berichte in der Presse, eine Diskussion, in die sich erstaunlicherweise auch immer mehr Anwälte einmischten und mit einer Presseerklärung der Berliner Strafverteidigervereinigung ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Erstaunlich ist diese Redseligkeit deswegen, weil eine persönliche Positionierung Anwälten außerhalb ihrer Mandatsbearbeitung häufig eine recht große Mühe bereitet und der Berufsstand dafür bekannt ist, sich nicht „in die Karten gucken” zu lassen. Inhaltlich wurde hier besonders Wert darauf gelegt, dass der Kanzleiwechsel von Anja Sturm ein völlig normaler Vorgang, der Rechtsstaat dadurch nicht gefährdet und der Wechsel nach Köln nicht einem irgendwie gearteten Druck der Berliner Strafverteidiger geschuldet sei.

Tatsächlich ist ein Kanzleiwechsel wie der von Anja Sturm wirtschaftlich betrachtet ein völlig normaler Vorgang. Und natürlich wird unser Rechtsstaat nicht durch einen Vorgang wie diesen, einen Einzelfall, gefährdet. Dennoch ist rückblickend die Frage nach der Moral von der Geschicht‘ erlaubt.

Ich kenne Anja Sturm nicht persönlich. Gleichwohl habe ich sie auf dem diesjährigen Strafverteidigertag und auch im NSU-Prozess erlebt. Anja Sturm ist das, was man landläufig eine „Persönlichkeit“ nennt, sie hat etwas Besonderes ...

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