Gastbeitrag: Ein bernischer Rechtsanwalt in Brasilien

Der Gastautor schildert seine Erfahrungen als schweizerischer Rechtsanwalt in Brasilien: Ungeachtet der hohen Hürden zur Erlangung des schweizerischen Anwaltspatents, sind in der Schweiz verhältnismässig wenig Tätigkeiten dem Anwaltsmonopol unterstellt. So ist grundsätzlich nur die berufsmässige Vertretung von Parteien vor Zivilgericht (mit Ausnahmen) sowie die Verteidigung strafrechtlich beschuldigter Personen (teilweise mit Ausnahme von Übertretungsverfahren) den im kantonalen Register eingetragenen Anwälten vorbehalten (Art. 68 Abs. 2 lit a. ZPO und Art. 127 Abs. 5 StPO). Im Verwaltungsverfahren gilt bis vor Bundesgericht kein Anwaltsmonopol (Art. 40 Abs. 1 BGG). Anders in Brasilien, wo kaum ein Vertrag ohne Anwalt unterschrieben wird und sich wohl sämtliche Unternehmen arbeitsrechtlichen Klagen konfrontiert sehen. Obwohl Brasilien, ähnlich wie die Schweiz, ca. 1‘040 Einwohner pro Anwalt hat, wird man in Brasiliens Grossstädten das Gefühl nicht los, es gäbe ebenso viele Anwaltskanzleien wie Restaurants. Mit ein Grund dafür mag sein, dass in Brasilien - im Gegensatz zur Schweiz - bereits die Rechtsberatung den Anwälten vorbehalten ist und der Anwaltsaufsicht untersteht. In der Schweiz ist die Rechtsberatung bisher nicht geregelt. Wie die Schweiz, versucht auch Brasilien seinen Anwaltsstand zu schützen. Das schweizerische Anwaltspatent berechtigt in Brasilien grundsätzlich weder zur Ausübung des Anwaltsberufs noch zur Rechtsberatung. Hingegen hat Brasilien am 13. März 2000 die Verordnung Nr. 91/2000 erlassen, welche es einem ausländischen Anwalt ermöglicht, sich als „Berater für ausländisches Recht“ (Consultor em Direito Estrangeiro) in ein brasilianisches Anwaltsregister einzutragen ...Zum vollständigen Artikel

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