Wie man sich das Wirtschaftswachstum schönrechnet

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Glaubt man dem Statistischen Bundesamt, wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2014 steigen. Grundlage für diese Prognose sind allerdings nicht etwa besonders vertrauenswürdige Berechnungen von Wirtschaftsexperten, sondern eine neue Verordnung aus Brüssel: Sie trägt den Namen Verordnung Nr. 549/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates zum Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG). Klingt zunächst bizarr: Kann die Europäische Union also heutzutage schon Wirtschaftswachstum per Verordnung festlegen?

Nein, kann sie leider nicht. Aber sie legt fest, welche Konzepte, Definitionen, Klassifikationen und Buchungsregeln die Mitgliedsstaaten verwenden müssen, wenn sie ihre Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) aufstellen. Und diese wiederum wirken sich auf die resultierenden Datensätze aus. Das Bruttoinlandsprodukt, welches alle im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen nach Abzug der Vorleistungen bemisst, ist unter ihnen die zentrale und wohl bekannteste Größe bei der Beurteilung, wie sich Wirtschaft und Wirtschaftspolitik im Inland entwickeln.

Tatsächlich spielt die VGR der Mitgliedsstaaten innerhalb der EU eine wichtige Rolle. Deshalb wurde bereits in den 1960er und 1970er Jahren diskutiert, die Methodik dazu zu vereinheitlichen und verbindlich zu machen. Zwar gibt es auf internationaler Ebene, das heißt über die Vereinten Nationen (UN), gewisse regelmäßig aktualisierte Standards (System of National Accounts, SNA), allerdings sind diese nicht verbindlich. Auch hat man es innerhalb der Union mit homogeneren Umständen in den Mitgliedsstaaten zu tun, so dass ein System für die Gemeinschaft teils weiter gehen kann als die internationalen Standards. Ein erstes verbindliches Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, das so genannte ESVG 1995, wurde dann 1995 mit Verordnung 2223/96/EG eingeführt ...

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