“Damit die Geiselnehmer nicht irritiert werden….”

Wie das heutejournal am 16. August 1988 über das Geiseldrama von Gladbeck berichtete, ist aktuell als Zeitdokument hier im Video der ZDF Mediathek zu sehen. Von Beginn des Videos bis O4:02 Min. und dann weiter ab Min. 20:46.

Mich machte schon seinerzeit fassungslos, dass und wie nah Journalisten wie andere Personen sich dem Geschehen anhefteten, ohne erkennbares Empfinden für Gefahren für sich und die Geiseln, für Hürden der Verfolgung und Arbeit der Ermittlungsorgane und vor allem: Für das, was in den Geiseln vorgehen musste, die so nah umringt und bedrängt und dennoch ohne Hilfe und damit in einer unbegreiflichen Einsamkeit ihrer Lage und darin allein gelassen blieben, während alles sich nur in ekelhafter Weise und geifernd an ihrem Schicksal medial ergötzte und dieses ausschlachtete. Ohne Rücksicht der Medien und deren Vertretern rund um das Fluchtfahrzeug dafür, dass derlei Enge (räumlich) oder Fehler oder auch nur falsche oder irritierende Bewegungen zu tödlichen Eskalationen führen könnten, die Geiseln wie Dritte das Leben kosten würden.

Wegen des Fehlverhaltens der Journalisten während des Geiseldramas vertrat der Deutsche Presserat am 7. September 1988 die Meinung, dass Geiselnehmer während einer Geiselnahme nicht interviewt werden sollten und eigenmächtige Vermittlungsversuche nicht zu den Aufgaben von Journalisten gehörten, der Pressekodex wurde dahingehend geändert.

Heute hört man oft, derlei wäre inzwischen undenkbar, dass Journalisten so agieren würden. Das mag in gewissem Sinne zutreffen. Und diese Formulierung wähle ich bewusst. Jeder mag am Beispiel aktueller Medienberichterstattung seither selbst bewerten, wie sicher er Journalismus und Medien inzwischen von vergleichbaren oder kritikwürdiger Berichterstattung und Verhalten entfernt sieht ...

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