Schlagen eines Kindes als Erziehungsreaktion noch hinnehmbar?

Diese Rechtsauffassung vertritt das Amtsgericht Nördlingen:

Auch wenn körperliche Gewalt grundsätzlich nicht zu dulden ist, kann dies nicht außerhalb des von der Antragsgegnerin vorgetragenen Kontextes gesehen werden. Als Reflex auf das Schlagen des Sohnes und Festkrallen im Unterarm mag die Handlung der Antragsgegnerin noch hinnehmbar sein

(Beschluss 2 F 300/13 vom 24.7.2013, nicht rechtskräftig)

Ich will mich an dieser Stelle gar nicht über weitere Ungereimtheiten aufregen oder darüber, dass wesentlicher Antragstellervortrag nicht berücksichtigt wurde bzw. einfach das Gegenteil in den Beschlussgründen behauptet wird. Das ist leider anwaltlicher Alltag.

Worüber ich mich maßlos aufrege, sind obige Sätze, die entweder hingeschludert sind oder deren Tragweite nicht erkannt wird.

Beides wäre nicht hinnehmbar.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, am Wortlaut rumzumäkeln: Wenn Gewalt nur grundsätzlich nicht zu dulden ist, lässt dies dann Ausnahmen zu? Was soll uns dieses “grundsätzlich” sagen, das der Satz “Gewalt ist nicht zu dulden” nicht auch aussagt? Ich erspare mir den Hinweis auf das Gesetz, das weder Grundsatz noch Ausnahme kennt, nur ein absolutes Gewaltverbot. Sieht das Amtsgericht Nördlingen (exklusiv) eine Lücke für Ausnahmen?

Immerhin führt das Gericht ja aus, worin es diese Lücke sieht: Nämlich im Reflex-Schlag ...

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