“Absolut unerträglich und unzulässig”

Bis heute haben weder England noch die USA ernsthaft dementiert, dass sie das komplette Internet abschnorcheln. Das führt in der Tat zu Aufregung und Unruhe. Allerdings bislang eher nur in netzaffinen Kreisen. So richtig habe ich jedenfalls noch nicht den Eindruck, dass die Auswirkungen einer Totalüberwachung von allem, was wir anklicken, in E-Mails oder auf Facebook schreiben (auch in Form von Privatnachrichten), im Bewusstsein der Menschen angekommen ist.

Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. In meinem Bekanntenkreis zum Beispiel schwanken die meisten je nach Nachrichtenlage zwischen demonstrativ zur Schau getragener Resignation (“kannste eh nichts machen”), mildem Unglauben und ein bisschen Verärgerung. Wobei sich der Unmut sogar eher auf die offenkundige Unlust der Regierung erstreckt, Prism und Tempora wenigstens ein bisschen höher zu hängen als eine neue EU-Gemüseverordnung – um deren Details kümmert sich die Kanzlerin ja auch nicht.

Tatsächlich sind wir bei Prism und Tempora momentan auf einem Niveau der öffentlichen Wahrnehmung, das knapp über dem Streit zu Google Street View liegt. Es wäre sicher falsch daraus zu schließen, dass den Menschen das Foto ihrer Hausfassade wirklich wichtiger ist als der Umstand, dass sie eines beträchtlichen Teils ihrer verfassungsrechtlich garantierten Rechte verlustig gegangen sind. In Lobreden auf das Grundgesetz müssen ja ohnehin künftig das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung sowie ein gutes Stück Menschenwürde ausgespart werden, will der Redner keine Heiterkeitsanfälle erzeugen.

Oder liegt das spürbare Desinteresse vielleicht auch daran, dass der vorsichtige Deutsche vor jeder Wahrheit erst mal ein Propaganda-Manöver “interessierter Kreise” wittert? Ein Schuh, den ich mir ja auch anziehen muss, weil ich für die Piratenpartei in den Bundestag gehen möchte ...

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