Zeitarbeit nunmehr auch in der Anwaltschaft

Wenn die Aufmerksamkeit in der Vorlesung nachlässt, ist es an der Zeit, über das Geld zu reden. Ich gehe dabei so vor, dass ich ein Problem vorstelle, das die Rechtsprechung eher zu Lasten des Beschuldigten löst, und frage anschließend: “Stellen Sie sich vor, Sie sind der/die Verteidiger/in. Was würden Sie dem entgegensetzen? Denken Sie daran, Sie werden hochbezahlt… Apropos, was verdient so ein guter Verteidiger in der Stunde?”. Die Spanne in den Antworten ist weit: Manche beginnen bei 50 Euro je Stunde; manche sind auch schon mal direkt bei 600 Euro. Es gibt nicht viele davon, aber manche Strafverteidiger können sogar noch höhere Beträge Stunde für Stunde in Rechnung stellen.

Um keine unberechtigten Hoffnungen im frühen Studium des Juristenlebens zu wecken, bin ich in solchen Situationen um sofortige Klärung bemüht, dass nicht jeder Anwalt Stundenvereinbarungen schließen kann, sondern über RVG abrechnet; die Bearbeitung von Prozesskostenhilfe-/Pflichtverteidigermandate wirft sogar noch wenig ab. Und nicht jeder Mandant/jede Behörde zahlt pünktlich und wie vereinbart. Doch selbst danach erscheint die Angabe eines durchschnittlichen Umsatzes eines selbstständigen Anwalts von etwa 100.000 Euro vielen Studierenden sehr reizvoll. Jedoch dauert es auch hier nicht lange, bis angesichts einer Kostenquote von etwa 50 % und abgehender Steuern, Versicherungsbeiträge etc. eine nüchterne Zahl als Nettoverdienst zum Vorschein kommt.

Laut einer Studie des Instituts für freie Berufe, veröffentlicht in den BRAK-Mitteilungen 1/2010, kamen angestellte Anwälte im Jahr 2006 auf einen Stundenverdienst von 15 bis 20 Euro, freie Mitarbeiter auf 14 bis 18 Euro und selbständige Anwälte auf 20 bis 28 Euro.

Typische Variablen sind dabei die Wochenarbeitszeit und der Jahresurlaub. Während freie Mitarbeiter 43 Stunden pro Woche im Büro verbringen, sind zum Beispiel Selbständige in den neuen Bundesländern im Schnitt 50 Stunden in der Kanzlei ...

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