“Bist du sauer mit mir?”

Das Internet hat die Hektik der modernen Zeit mittlerweile eingeholt und sogar überholt. Falsch. Vermutlich ist das Internet per definitionem die Hektik der Moderne. Wartete man früher oft geduldig wochenlang auf Briefe (also Schriftstücke, die per Hand und zumeist unleserlich geschrieben sind), so ist die Geduld heute oft schon nach wenigen Sekunden am Ende. Der Absender einer Nachricht, der eine Antwort erwartet, ist dann schon nach Augenblicken vergeblichen Starrens auf sein “Empfangsgerät” reif für eine Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus.

Ein typisches Beispiel hierfür ist whatsApp. Das Tolle an dieser Kommunikationsplattform ist, dass der Absender ziemlich genau verfolgen kann, wann der Empfänger die Nachricht erhalten und gar gelesen hat. Er weiß sogar, wann der kommunikative Teilnehmer am anderen Ende des Netzes wach ist. Oder war. Das geht dann etwa so:

A: 8:02 “Hallo Schatz. Du bist ja schon wach.”

B: (Status: zuletzt online heute um 7:32)

A: 8:10 “Naja, vermutlich schläfst du nochmal. Macht ja nix.”

B: (zuletzt online heute um 7:32)

A: 8:15 “Schläfst du immer noch?”

B: (zuletzt online heute um 7:32)

A: 8:20 “Macht ja nix. Ich gönn es dir.”

B: (zuletzt online heute um 7:32)

A: 8:22 “Hallo.”

B: (zuletzt online heute um 7:32)

A: 8:22 “Ich geh mal duschen. Bis gleich.”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:45 “Hey!!! Du bist ja wach!!!!!!!!! Guten Morgen Süße!!”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:45 “Du, ich bin schon lange wach!”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:45 “Alles gut bei dir?”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:46 “Na gut, ich lass dich mal.”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:50 “Hab gerade Tee aufgesetzt. Ich les gleich Zeitung. Was machst du?”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 8:51 “Hallo.”

B: (zuletzt online heute um 8:25)

A: 9:00 “Hm ...

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