Brave New World

“Can I see your ID?” Inzwischen liegt die Vollendung meines 21. Lebensjahres schon so lang zurück, dass mich diese Frage nicht schmeichelt, sondern nur noch irritiert. Dabei will ich an diesem Nachmittag bei “Wholefoods” gar keine harten geistigen Getränke erwerben, sondern nur eine Flasche toskanischen Rotwein, den man den Nachbarn zum Abendessen in ihren Waldgarten mitbringen kann. Zugegeben, bei 35 Grad Celsius ist auch ein Antinori mit 13,5 Prozent schweres Geschütz, und es ist ohnehin höchst fragwürdig, Lebensmittel aus einer mehr als 7000 Kilometer entfernten Weltgegend zu konsumieren. Aber in diesen Zeiten schadet ein wenig Werbung für die italienische Weinwirtschaft nicht, wenn sie amerikanische Bildungsbürger an den Arno lockt. Dafür interessiert sich die junge Frau mit der durchdringenden Stimme an der Kasse aber nicht im Geringsten. Umso mehr für meinen Personalausweis, den sie mit kritischem Blick inspiziert. “Is this an ID from a foreign country?” Ja, Deutschland ist irgendwie schon sehr fremd. “I’m not sure we accept IDs from foreign countries”. Mein Einwand, dass es hier wohl eher um das Geburtsdatum als um die Staatsangehörigkeit gehe, wird geflissentlich ignoriert. Ach, wie einfach wärs, wenn mein Geburtsdatum auf meiner Kreditkarte vermerkt wäre. Global credibility. Schon ist die Kassierin in ein wortreiches Telefonat mit ihrem Backoffice verwickelt, das meinen Ausweis zum Gegenstand hat. Ich krame meinen Führerschein aus der Tasche, immer noch fast so rosa wie im Ausstellungsjahr 1990, und kaum zerfleddert. Das macht schon mehr Eindruck, aber doch nicht genug.Ich weise darauf hin, dass ich auch noch einen Reisepass dabei hätte, falls weitere Identifikation erforderlich sei – und lege das Dokument vorsorglich auf den Tresen. Inzwischen ist ein älterer Kollege von der nächsten Hierarchiebene des Biosupermarkts hinzugekommen, der meine diversen Personaldokumente nun einer gestrengen Prüfung unterzieht. Langsam werde ich nervös ...

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