Haftung eines Krematoriumsmitarbeiters für entwendetes Zahngold

Die magische Anziehungskraft von Gold hat schon manch einen zu außergewöhnlichen Taten verleitet, selbst in Zeiten fallender Goldkurse. In dem vor kurzem vom LAG Hamburg (Urteil vom 26.06.2013 - 5 Sa 110/12, BeckRS 2013, 70585) entschiedenen Fall ging es um einen Mitarbeiter eines Krematoriums, der die Gunst der Stunde nutzte. Wie polizeilich angeordnete Videoaufzeichnungen ergaben, durchsucht der Mitarbeiter nach der Einäscherung der Leichname die Asche gezielt und steckte die gefundenen Gegenständen (insbesondere Zahngold) in seine Hosentasche ohne sie anschließend in den Tresor zu legen. Im Anschluss daran wurde das Gold veräußert. Dies geschah offenbar in großem Stil und unter Beteiligung weiterer Personen. Der Goldwert liegt im sechsstelligen Bereich. Seine Arbeitgeberin kündigte ihm daraufhin fristlos und verlangte Schadensersatz für das – mittlerweile verkaufte - Gold. Sie berief sich darauf, die mit der Einäscherung betrauten Mitarbeiter mehrfach eindringlich darauf hingewiesen zu haben, dass aufgefundenes Gold zu sichern und in ein dafür vorgesehenes Tresorbehältnis zu legen sei. Im Streit stand noch ein hoher Schadensersatzanspruch der klagenden Arbeitgeberin. Diesen bejahte des LAG. Allerdings lasse sich dieser nicht aus der Verletzung des Arbeitsvertrages (§§ 611, 280 Abs. 1 BGB) oder des Eigentums (§ 823 BGB) begründen. Denn mangels Eigentumserwerbs sei der Arbeitgeberin kein Schaden im Sinne dieser Vorschriften entstanden. Hierzu führt das LAG aus: „Die mit dem Leichnam fest verbundenen künstlichen Körperteile, z. B. das Zahngold, die in Form und Funktion defekte Körperteile ersetzen, sog. Substitutiv-Implantate, gehören zum Leichnam und teilen während der Verbindung dessen Schicksal. Sowohl der Leichnam als auch die künstlichen Körperteile stehen in niemandes Eigentum und gehören deshalb auch nicht zum Nachlass i. S. d. § 1922 BGB ...

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