Leichenfledderei nach Kreml-Art: Toter Rechtsanwalt schuldig gesprochen

Ich muss aufpassen, dass das Attribut “absurd” nicht zur meistgebrauchten Vokabel im strafblog wird, aber die Justiz liefert immer wieder Beispiele abwegiger Rechtsprechung, über die ich nur den Kopf schütteln kann. In Deutschland haben wir etwa im Vergleich mit Russland sicher einen hohen rechtsstaatlichen Standard, aber auch der schützt ja bekanntlich nicht vor grotesken Fehlentscheidungen. Justiz wird halt von Menschen gemacht.

In Moskau ist jetzt der bereits vor vier Jahren in der Untersuchungshaft unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommene regimekritische Anwalt Sergej Manitzki wegen Steuerflucht schuldig gesprochen worden. Wie focus.de berichtet, hat Richter Alissow das umfangreiche Urteil gestern in dem von Sicherheitskräften schwer bewachten Gerichtssaal eineinhalb Stunden lang mit kaum vernehmbarer Stimme verlesen. Der für den Angeklagten vorgesehene Käfig sei leer gewesen, heißt es, was darauf hindeutet, dass man zumindest darauf verzichtet hat, den Sarg mit dem Leichnam des toten Kollegen zur Abrundung der Groteske dorthin zu schaffen. Neben Magnitzki wurde auch dessen früherer Chef, der Brite William Bowder vom Finanzunternehmen Hermitage Capital, in Abwesenheit zu 9 Jahren Lagerhaft verurteilt.

Erstmals sei in Russland ein Toter verurteilt worden, werden Kritiker des Verfahrens zitiert ...

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