Reden ist Schweigen und Silber ist Gold, oder wie war das nochmal?

“Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben”, lautet ein anderes Sprichwort über das Reden, und auch wenn man sich über die philosophischen Qualitäten von schweigenden Beschuldigten bisweilen streiten kann, ist es im Strafverfahren ganz häufig so, dass Schweigen die bessere Verteidigung ist. Das gilt jedenfalls so lange, bis man einen Verteidiger konsultiert hat. Ich habe in den letzten Tagen wieder etliche Male erlebt, dass Mandanten das Schweigegebot missachtet und sich dadurch in erhebliche Bredouille gebracht haben. Eine Mandantin, die ich in einer Steuerstrafsache verteidige und der ich für den Fall einer Festnahme deutliche Verhaltensratschläge erteilt hatte, war von der Steuerfahndung aufgesucht und tatsächlich vorläufig festgenommen worden. Die Frau hat in dem ganzen Stress einfach vergessen, mich anzurufen, wie sie mir sagte, und sich stattdessen ohne Not in der sehr heiklen Sache gegenüber den Ermittlern geäußert. Das kann zu irreparablen Problemen führen. Gestern suchte mich ein akademisch gebildeter Mandant auf, dem ein – ebenfalls heikles – Sexualdelikt zur Last gelegt wird. Der Mann ist erst Mal zur Polizei gegangen und hat sich umfassend vernehmen lassen. Das, was er mir über die Vernehmung und sein eigenes Aussageverhalten berichtete, hörte sich nicht unproblematisch an ...

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