Die Frage nach der Menschenwürde, und wofür sie gut ist

Dafür, dass die Menschenwürde der Haken sein soll, an dem zumindest bei uns in Deutschland die gesamte Grundrechtsordnung hängt, haben wir bemerkenswert ungenaue Vorstellungen darüber, was damit eigentlich gemeint ist.

Um dem abzuhelfen hat “Recht im Kontext” dieses Jahr erneut eine Runde von illustren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um den Konferenztisch des Wissenschaftskollegs versammelt. Gestern und heute haben sie so ziemlich jeden Stein umgedreht, den es in diesem Bereich umzudrehen gibt. Und wie so oft wissen wir die Antwort immer noch nicht – aber die Frage und all ihre Verworrenheiten und Implikationen kennen wir dafür um so genauer.

Essentialia

Einige Teilnehmer unternahmen anspruchsvolle Versuche, der Menschenwürde substanziell näherzukommen: Alexander Somek beispielsweise verstörte einen nicht geringen Teil der Runde mit einem Versuch, Menschenwürde und Recht auf Gleichbehandlung miteinander kurzzuschließen. Es gebe eine Vermutung zugunsten von Gleichbehandlung, so Somek, und zwar um uns zu ermöglichen, die zu bleiben, die wir sind. Natürlich könne man von Menschen verlangen, sich zu ändern, aber nur mit guten Gründen – und jedenfalls dann nicht, wenn es sich um Dinge handle, die man als Notwendigkeit, als unabänderliches Charakteristikum seiner selbst empfindet. Diskriminiert wird, wer gezwungen wird, sich zu verstecken und seinen “aufrechten Gang” abzulegen – wer also in seiner Menschenwürde verletzt wird.

Ob er damit die Menschenwürde nicht zu einem rechtlich kaum operationalisierbaren “Kernbereich unangenehmer Erfahrungen” reduziere, wollte Tatjana Hörnle wissen. Kim Scheppele wunderte sich, ob sie dann nicht selbst sich als diskriminiertes Opfer einer Würdeverletzung empfinden müsse, weil ihr mangels Talent und Körpergröße – zweifellos unabänderliche Charakteristika – eine Karriere als Basketballerin verwehrt bleibe ...

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