20 Jahre nach Bad Kleinen: Die Verantwortlichen erzählen

Portrait “Alexander von Stahl”

Am Montag Abend läuft im Ersten die Dokumentation ”Zugriff im Tunnel” von Egmont R. Koch, an der ich in den vergangenen Monaten mitgearbeitet habe. Der Film rekonstruiert die Ereignisse im Juni 1993: Beim Versuch, Mitglieder der RAF-Kommandoebene festzunehmen, starben der Polizeibeamte Michael Newrzella und der RAF-Terrorist Wolfgang Grams.

Doch dass dieser Einsatz trotz einer wochenlangen Vorbereitung derart schief lief, ist nur ein Teil der Tragödie von Bad Kleinen. Hinzu kam, dass nach dem Einsatz zahlreiche Fehler und Dummheiten begangen wurden, die aus der tragischen Panne eine Staatskrise machten. Dazu äußern sich in dem Film viele der damals verantwortlichen erstaunlich offen. So der damalige BKA-Präsident Hans-Ludwig Zachert, der polizeiliche Einsatzleiter Rainer Hofmeyer, der später ermittelnde Oberstaatsanwalt Gerrit Schwarz und Generalbundesanwalt Alexander von Stahl.

Von Stahl erfuhr einige Wochen vor der Aktion auf einer Wanderung im Schwarzwald von den neuen Entwicklungen: Nach seiner Erinnerung rief ihn der rheinland-pfälzische Justizminister an und bat ihn und den BKA-Präsidenten zu einer dringenden geheimen Sitzung nach Mainz. Dort wurde mitgeteilt, dass es dem rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz gelungen sei, einen V-Mann an die RAF-Kommandoebene “heranzuspielen” und dass dieser V-Mann sich Ende Juni 1993 mit der Terroristin Birgit Hogefeld in Bad Kleinen treffen wolle. Das sei “eine Sternstunde” gewesen, erinnert sich der damalige BKA-Präsident Zachert an das Treffen. Eine mögliche Festnahme schien geradezu als Glücksfall – denn das BKA hatte zu dieser Zeit keine Spur zu den Anfüheren der RAF.

Akribisch begann man beim Bundeskriminalamt mit der Vorbereitung. Chef (“Polizeiführer”) war der Abteilungspräsident “Terrorismus” beim BKA, Rainer Hofmeyer ...

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