Die Skrupel des Polizisten nach dem Todesschuss

Ich habe schon mehrfach Polizisten verteidigt, die in Ausübung ihres Dienstes geschossen haben, und weiß deshalb, dass kaum ein Beamter einen solchen Einsatz folgenlos wegsteckt. Das gilt jedenfalls dann, wenn ein Mensch – sei es auch ein Straftäter – schwer verletzt oder getötet worden ist. Aktuell bin ich immer noch in einem Fall tätig, in dem ein mit einem Messer bewaffneter Räuber von 2 Polizeibeamten auf frischer Tat angetroffen wurde. Es kam wohl zu einem Körperkontakt, jedenfalls lief der Räuber sehr nah an einem der Kripobeamten vorbei, und der hat dann geschossen und den jungen Täter recht schwer verletzt. Ich habe als Verteidiger im Rahmen des routinemäßig gegen den Beamten eingeleiteten Ermittlungsverfahrens Notwehr oder zumindest Putativnotwehr geltend gemacht. Die Ermittlungen wurden zwischenzeitlich eingestellt, dann aber aufgrund einer Beschwerde des Verletzten, dessen Anwalt versuchten Mord oder zumindest versuchten Totschlag geltend macht, wieder aufgenommen. Noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen.

Am Wochenende habe ich mir im Kino den bei uns gerade angelaufenen Film “The Place Beyond the Pines” mit einem (wie fast immer) faszinierenden Ryan Gosling, der aus Liebe vom Motorrad-Stuntfahrer zum Bankräuber mutiert, und einem ebenfalls überzeugenden Bradley Cooper angeschaut, der als ehrgeiziger Streifenpolizist mit dem Räuber aneinandergerät und diesen nach einer Verfolgungsjagd bei einem Schusswechsel tötet. Beide sind junge Väter von fast gleichaltrigen Söhnen, und dem Polizisten, der bei der Auseinandersetzung auch verletzt worden ist, macht das Bewusstsein, dem anderen Kind den Vater genommen zu haben, ziemlich zu schaffen. Er nimmt Kontakt zur Kindesmutter, die von einer Eva Mendes gespielt wird, auf und will ein wenig Wiedergutmachung leisten, was aber nicht gelingt ...

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