NSU-Prozess: Bockwurst war kein Feindbild

Heute ist der zweite Tag, an dem der Angeklagte Carsten S. im NSU-Prozess Angaben zur Sache macht. Er gibt sich offen, erzählt aus seinem Leben, beantwortet scheinbar vorbehaltlos die Fragen des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl. Und doch wirken die Angaben seltsam lückenhaft. Es scheint, als fehle S. an besimmten Stellen die Empathie, die Fragen des Vorsitzenden wirklich zu verstehen. Oder weicht er aus? Trotzdem entsteht durch seine Aussagen ein bedrückendes Bild der rechten Szene in Thüringen Ende der 1990er Jahre.

Er habe sich stark gefühlt unter den Neonazi-Kameraden, erzählte S. War er in der Schule noch “gemobbt” worden und fühlte er sich sowieso unwohl in seiner haut, weil er “etwa im Alter von 13″ erkannt hatte, dass er wohl eher auf Jungs stehe, so sei das mit den Kameraden anders gewesen. “Da haben mich dann plötzlich sogar die gegrüßt, die in der Schule gemobbt haben”, berichtete S. Man habe sich getroffen, viel getrunken, Party gemacht und Dinge angestellt. So hätten sie damals unter anderem nachts einen mobilen Dönerstand (“ein Wagen mit zwei Rädern”) umgeworfen und bei einem anderen Dönerstand die Scheiben eingeworfen. Rechte Musik habe eine große Rolle gespielt. Die CD der “Zillertaler Türkenjäger” habe er so gut gefunden, dass er sie sich bald selbst gekauft habe.

S. schilderte einen fast schon spießigen Alltag der Neonazis. So habe man sich auch bei ihm zu Hause getroffen, wenn seine Eltern nicht da waren und er “sturmfrei hatte”. Bei einer Gelegenheit seien auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu ihm gekommen. Er erinnere sich deswegen gut daran, weil er “Plaste-Tüten gesucht” habe, die sie sich über die Springerstiefel ziehen mussten – um Mutterns Teppiche zu schonen.

Zu einem gelungenen Wochenende habe immer auch die Konfrontation mit der Polizei gehört ...

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