101 Kirschbäume

15 Jahre haben die Angehörigen der Opfer jenes ICE-Unglücks bei Eschede warten müssen, bis ein Verantwortlicher der Bahn sich durchringen konnte, sich für das Unglück zu entschuldigen, dessen Ursache und Verantwortlichkeit juristisch nie endgültig geklärt werden konnte.

Das ähnelt in fataler Weise Fällen wie der Contergan-Skandal, in dem die Geschädigten ebenfalls jahrzehntelang auch auf Worte von Unternehmen warten müssen, die jenseits einer juristischen Verantwortung oder Haftung Trost und Verstehen und Mitempfinden vermitteln könnten. Dabei würden Worte nicht zwingend Haftungsanerkennung bedeuten, wenn sie nur und nur klug und behutsam so erfolgen würden, dass sie gleichermassen aufrichtig wie Anteil nehmend aussprechen würden, was Leid vielleicht nicht mildert, aber angesichts von Katastrophen geteilt und verstanden fühlen liesse. Mit diesem Dilemma der Sorge, eine Entschuldigung oder Worte überhaupt könnten auch juristische Präjudiz bedeuten, hat man als Medizinrechtler nicht selten ebenfalls zu tun. Seitens beteiligter Ärzte oder Kliniken, wegen der Berufshaftpflichtversicherung.

Dass es im Geschehen um die Zugkatastrophe mir selbst gedanklich und nachfühlbar noch präsenter ist, hat einen weiteren Grund: Nur wenige Tage vor dem Unglück war ich selbst mit dem ICE 884 “Wilhelm Conrad Röntgen” gefahren, das Zugticket liegt noch heute in einer Schublade hier, zusammen mit einem besonderem Brief und dem, was mit ihm Brief lag.

Ich war auf dem Weg zu einem beruflichen Termin zum Versicherungsrecht gewesen. An jene Zugfahrt erinnere ich mich nicht nur deswegen, wegen des Zuges, seines Namens und des Unglücks wenige Tage danach, sondern auch wegen eines Fotos, das zwei bezaubernde ältere Damen dabei unbedingt von mir machen wollten, die mich in eine kurzweilige Unterhaltung verstrickten. Als ich eigentlich Unterlagen lesen wollte für den Termin. Die frische Kirschen mit mir teilten, die sie naschten ...

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