OLG Nürnberg legt nicht geringe Menge von Fentanyl fest

Mit Urteil vom 29.04.2013 hat das OLG Nürnberg - sachverständig beraten - die nicht geringe Menge von Fentanyl bei 75 Milligramm festgelegt (Aktenzeichen 1 St OLG Ss 259/12 = BeckRS 2013, 08350). Es hat sich dabei an der nicht geringen Menge bei Heroin orientiert (1,5 Gramm Heroinhydrochlorid), wobei es von einer 20-fach stärkeren Wirkung von Fentanyl im Verhältnis zu Heroin ausgeht. Die nicht geringe Menge ist im Wesentlichen für die Bestimmung der Strafhöhe verantwortlich, da mit Überschreiten dieses Wertes nicht mehr der Normalstrafrahmen des § 29 BtMG eingreift, sondern die Verbrechenstatbestände in den §§ 29a, 30, 30a BtMG.

Wie ich erst kürzlich berichtet habe, scheint sich Fentanyl in der Drogenszene immer größerer Beliebtheit als Heroinersatzstoff zu erfreuen, indem Fentanylpflaster gekaut oder das Fentanyl hieraus extrahiert wird (s. hier). Hierzu hat das Urteil einige interessante Feststellungen getroffen. So wird ausgeführt, dass nach regelgerechter Anwendung von Fentanyl-Pflastern 28-84% des Wirkstoffs in den Pflastern verbleiben. Beim Auskochen der Fentanylpflaster – so eine Versuchsreihe am Institut für Rechtsmedizin der LMU München im Jahr 2010 – könnten je nach Methode zwischen 2% und 100% Fentanyl extrahiert werden.

Zum Konsumentenkreis von Fentanyl führt das OLG Nürnberg Folgendes aus:

„Zum Nutzerkreis von Fentanyl gibt es bislang keine ausreichend belastbaren empirischen Untersuchungen oder systematisierte forensische Erkenntnisse. Jedenfalls nach derzeitigem Erkenntnisstand lässt sich nicht hinreichend sicher feststellen, dass Fentanyl auch von Personen konsumiert wird, die zuvor noch keine Opiate genutzt haben. Hierin unterscheidet sich Fentanyl grundsätzlich von Heroin ...

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