OLG Hamm: Unterhalt für volljährige Tochter für zweiten Studiengang nach Abbruch des ersten Studiums

Bricht eine Studentin ihr erstes Studium ab und nimmt nicht sofort eine neue Ausbildung auf, so erhält sie für den zweiten Studiengang trotzdem Ausbildungsunterhalt

1. Sachverhalt

Das Verfahren befaßt sich mit einem Unterhaltsantrag der volljährigen Tochter auf Volljährigenunterhalt. Die Tochter ist 1988 geboren. Der Kindesvater ist von der Kindesmutter seit 2001 getrennt und seit 2005 geschieden. Die Tochter lebte nach der Trennung bei der Kindesmutter in Dortmund. Nach dem Abitur begann die Tochter im Jahr 2008 ein Studium für Tourismus und Freizeitmanagement in den Niederlanden. Dieses brach sie Anfang 2010 ab. Sie absolvierte danach mehrere Praktika und einen längeren Aufenthalt in Australien. Im Oktober 2011 nahm sie das Studium der Journalistik auf. Sie verlangte nun von ihrem Vater Unterhalt. Das Amtsgericht hat ihr Unterhalt ab Oktober 2011 zugesprochen. Dagegen legte der Vater Beschwerde ein.

2. Rechtlicher Hintergrund

Gem. § 1610 Abs.2 BGB umfasst der Unterhalt des gesamten Lebensbedarf einschließlich der Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf. Ziel der Begabungsbezogenen Ausbildung ist es, das Unterhaltsberechtigte Kind in die Lage zu versetzen künftig seinen eigenen Unterhalt sicher zu stellen. Nach erfolgreichem Abschluss einer angemessenen Ausbildung hat das Kind grundsätzlich keinen Anspruch auf eine zweite Ausbildung.

3. Beschluss des OLG Hamm vom 05.02.2013 (Az.: 7 UF 166/12)

Das OLG wies die Beschwerde zurück, da die Tochter einen berechtigten Unterhaltsanspruch habe.

Die Tochter befinde sich noch in der Erstausbildung. Der Tochter sei für die Wahl der Ausbildung eine Übergangszeit zuzubilligen. Hierzu führt das OLG in seiner Pressemitteilung aus:

“Von einem jungen Menschen könne nicht von Beginn an eine zielgerichtete, richtige Entscheidung in der Berufswahl erwartet werden ...

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