Von der begrenzten Anzapfbarkeit der Kreditwürdigkeit künftiger Profis

Mich lässt die Frage nicht los, warum mich der gestrige Beschluss aus Karlsruhe zum Thema Studiengebühren so unbefriedigt zurückgelassen hat.

Noch mal kurz zur Rekapitulation: Der Erste Senat des BVerfG hat in dem Beschluss Grundsätze festgelegt, wonach prinzipiell nichts dagegen einzuwenden ist, Studierende an den Kosten ihrer Ausbildung zu beteiligen, aber innerhalb bestimmter Leitplanken – die Beiträge dürfen nicht prohibitiv hoch sein und müssen auf die soziale Situation der Betroffenen Rücksicht nehmen.

Das klingt doch erst einmal sehr vernünftig, weshalb zuvor das Bundesverwaltungsgericht auch allein schon zu ganz ähnlichen Schlüssen gekommen war. Es deckt den naheliegendsten Einwand gegen Studiengebühren ab, nämlich dass es nicht dazu kommen darf, dass man in Berufe, in denen man gut Geld verdient, nur reinkommt, wenn man bereits gut Geld besitzt.

Ich frage mich aber, ob die Gefahr, dass sozial Schwächere nicht mehr studieren können, wirklich der einzige und entscheidende Punkt ist beim Thema Studiengebühren.

Was die Entscheidung nicht besonders problematisiert, ist der Aspekt, dass von den Studierenden überhaupt erwartet wird, sich zu verschulden.

Studiengebühren heißt, dass wir die zukünftig erwarteten Einkünfte der Studierenden als Ressource anzapfen, um eine öffentliche Aufgabe zu bezahlen, nämlich die Ausbildung von Ärzten, Lehrern, Juristen, Ingenieuren und allen möglichen anderen Profis, die wir dringend brauchen.

Man darf sich diese Ressource aber nicht wie ein neu entdecktes Ölfeld vorstellen. In ihr stecken bereits jede Menge Zapfhähne, aus denen wir einen erheblichen Teil unseres Reichtums sprudeln lassen. Die Kreditwürdigkeit der künftigen Profis finanziert jetzt bereits zu großen Teilen unser Sozialsystem, unserer Infrastruktur, unserer Sicherheit, eigentlich alle öffentlichen Güter, die wir uns hier und heute leisten ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK