So kann sich das Blatt wenden…

Strafverteidigung ist nicht zuletzt Fleißarbeit. Kein anderer Verfahrensbeteiligter sollte die Ermittlungsakten – mögen sie auch noch so umfangreich sein – so sehr verinnerlicht haben wie der Verteidiger. Hierzu gehört der sorgfältige Abgleich von Zeugenaussagen ebenso wie das Hinterfragen jeglicher Annahmen, von welchen die Ermittlungsbehörden ausgegangen sind.

In einer kürzlich verhandelten Strafsache durfte ich einen Mandanten in einem Berufungsverfahren vertreten. Der Mandant schilderte, daß die Verteidigung in der ersten Instanz eher halbherzig erfolgt sei, so daß er den Anwalt wechseln wolle. Aus dem Protokoll der ersten Instanz ergab sich eine ausgesprochen “übersichtliche” Befragung des Hauptbelastungszeugen. In dem zulasten meines Mandanten ergangenen Urteil führte das Gericht aus, daß eine Falschbelastungstendenz in der widerspruchsfreien Aussage des Zeugen nicht erkennbar sei.

Die zweite Instanz begann dann mit einem mehr als nur ausführlichen Hinweis des Richters darauf, daß die Sachlage “nach vorläufiger Bewertung” kaum daran zweifeln lasse, daß mein Mandant die Tat begangen habe. Er solle doch dringend darüber nachdenken, die Berufung zurückzunehmen.

Da die Verteidigung sich hierauf nicht einließ, folgte die Beweisaufnahme, die nun deutlich sorgfältiger durchgeführt wurde als noch in der ersten Instanz ...

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