Der Strafrichter als Zivilrichter beim Stromdiebstahl

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Wer Stromleitungen unbefugt anzapft, macht sich strafbar. Seit 1900 stellt § 248c StGB die unbefugte „Entziehung elektrischer Energie“ unter Strafe. Anlass, diese Norm ins Strafgesetzbuch einzufügen, war, dass Strom keine Sache ist und daher der Stromdiebstahl nicht unter den Straftatbestand des Diebstahls nach § 242 StGB fällt. Dass dies schon vor 113 Jahren als Strafbarkeitslücke empfunden wurde, zeigt, dass es auch früher schon häufiger Fälle des Stromdiebstahls gab. Die aktuell auch weiter steigenden Strompreise lassen erwarten, dass dieser Straftatbestand seine Daseinsberechtigung so schnell nicht verlieren wird.

Grund genug, sich diesen Straftatbestand einmal näher anzuschauen: Tathandlung ist die Entziehung fremder elektrischer Energie.

Wann ist die Energie „fremd“? Das hängt davon ab, wem das Recht zur Nutzung der Energie zusteht. Dieses Recht kann sowohl ein Stromerzeuger, ein Versorgungsunternehmen oder auch ein Verbraucher innehaben, so dass dieser Straftatbestand ihnen gegenüber verwirklicht werden kann. Die elektrische Energie muss zudem „einer Anlage oder Einrichtung (…) mittels eines Leiters, der zur ordnungsgemäßen Entnahme von Energie nicht bestimmt ist“, entzogen werden. Was so komplex klingt, meint jedoch lediglich, dass die vom Täter verwendete Apparatur aufgrund der physikalischen Eigenschaften in der Lage sein muss, den Strom weiterzuleiten. Dass ein Schaden entstanden ist, ist für die Erfüllung des Tatbestandes hingegen nicht erforderlich. Der Täter muss aber vorsätzlich und in der Absicht handeln, den Strom für sich oder einen Dritten zu entziehen.

Auch der Versuch des Stromdiebstahls ist bereits strafbar. Besonderheiten gelten in den Fällen des sog. Haus- und Familiendiebstahls, wenn die entzogene elektrische Energie lediglich einen geringen Wert hatte (ca. bis 25 Euro) oder sofern der Täter ohne die Absicht agierte, sich oder einem Dritten den Strom zuzueignen ...

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