Lauter nette Kerle und ein bisschen zu viel Alkohol: Verfahren eingestellt

Aufgang zum Amtsgericht Wipperfürth

Da habe ich gestern zum ersten Mal nach ziemlich langer Zeit mal wieder in einer ganz profanen Jugendstrafsache vor dem Einzelrichter verteidigt. Das Mandat habe ich aus purer Gefälligkeit übernommen, handelt es sich bei dem Angeklagten doch um einen jungen Mann, der mit dem Freund meiner Tochter verwandtschaftlich verbandelt ist. Rund eineinhalb Stunden dauert die Anreise von Mönchengladbach zum Amtsgericht Wipperfürth, das immerhin ganz idyllisch auf einer leichten Anhöhe mit Blick ins Grüne liegt und mit seiner breiten Zugangstreppe und dem schindelbedeckten Türmchen auf dem älteren Gebäudeteil auf den ersten Blick kaum als Gericht zu erkennen ist.

Gefährliche Körperverletzung wurde den beiden zur Tatzeit noch 17-jährigen Angeklagten vorgeworfen, beides nette Kerle und bislang noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Das Tatgeschehen ist ziemlich prototypisch. Ein Schützenfest auf dem Dorf, viele junge Leute, Bier, Wodka, alkoholische Mixgetränke. Nach Mitternacht kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen, eigentlich ohne rechten Anlass. Der Geschädigte, ein reichlich stabiler Kerl von damals 19 Jahren, soll mit dem Finger in Richtung meines Mandanten und des Mitangeklagten gezeigt und dabei irgendwelche Bemerkungen gemacht haben. Vor Gericht hat er als Zeuge ausgesagt, er hätte die beiden gar nicht gemeint, sondern eine andere in der Nähe stehende Person. Jedenfalls gehen die beiden auf den vermeintlichen Provokateur zu, um ihn zu fragen, warum der mit dem Finger auf sie zeigt. Der nimmt das wohl zum Anlass, dicht vor dem Gesicht meines Mandanten kreisende Bewegungen mit dem ausgestreckten Finger zu machen und ihn zu fragen, ob er nicht mit dem Finger zeigen könne, auf wen er wolle ...

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