Verena Beckers Festnahme als Theaterstück

Cafe Hanser in Singen 1977

Alles begann heute vor 36 Jahren im Polizeirevier von Singen am Bodensee mit dem Hinweis einer Rentnerin: “Im Café Hanser sitzen zwei Terroristen beim Frühstück” soll sie am 3. Mai 1977 sinngemäß zu den Beamten gesagt haben. Die Dame hatte Recht – auch wenn die beiden nicht die Terroristen waren, die sie erkannt zu haben glaubte. Es waren Günter Sonnenberg und Verena Becker. Doch beide bewiesen starke Nerven, lockten die Polizisten aus dem Café zu ihrem angeblich in der Nähe geparkten Auto und schossen einige Straßen weiter unvermittelt auf die beiden jungen Polizisten. Der Beamte Wolfgang Seliger überlebte nur knapp – dank seiner guten Kondition. Die äusserlichen Wunden von damals sind bis heute für jeden zu sehen, Wolfgang Seliger hat unter anderem einen Finger verloren. Und die psychischen Folgen?

Für die psychischen Folgen interessiert sich der Konstanzer Rechtsanwalt und Autor Gerd Zahner. Er hat ein Theaterstück geschrieben: “In den Wiesen der Aach” lautet der Titel und meint den Ort, an dem Verena Becker und Günter Sonnenberg nach einer längeren Verfolgungsjagd schließlich überwältigt wurden.

Zahner fasziniert das Zusammentreffen von Terroristin Becker und Polizist Seliger – und die Meta-Ebene, die für Seeliger durch die Teilnahme an einer filmischen Rekonstruktion des Bundeskriminalamts einige Jahre später entstanden ist (das Originalvideo steht hier in der rechten Spalte!). Ein Phänomen, dass im Polizeialltag nicht selten vorkommt: Wenn Ermittler selbst zu Opfern werden, geraten sie manchmal in eine extrem belastende Situation. Ihre uneingeschränkte Mitarbeit wird erwartet, denn gerade sie müssten doch wissen, worauf es ankommt ...

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