Tag der Arbeit

10. 30 h. Endlich mal früh im Büro. „Guten Morgen! Alles im Griff?“, flirte ich Bettina an der Zentrale an und gehe schnurstracks in die Küche, um mir meinen verdienten Kaffee zu holen. Ich betrete mein Büro und erschaudere. Keine einzige Akte. Weder auf dem Tisch, dem Siteboard oder auf dem Boden, wo sie sich früher stapelten. Ich schnapp mir die Maus und blättere durch meinen Terminkalender. Keine Termine, nicht ein einziger. Zufrieden schmeiß ich mich auf meinen Chefsessel, lege die Beine hoch und rufe: „Wo ist die Zeitung?“ Sofort erscheint eine langbeinige Blondine und überreicht mir mit einem strahlenden Lächeln die Tageszeitung. „Oh, Sie sind neu hier?“, frage ich angenehm verdutzt. „Ja!“, säuselt sie mit russischem Akzent und fragt: „Darf ich Ihnen noch einen Kaffee bringen?“ Ich nutze die Gunst der Stunde.

„Wie wäre es mit einem klitzekleinen Gläschen Krimsekt?!“, antworte ich in aller Bescheidenheit.

Während ich den Sekt schlürfe und meine Zeitung lese, fällt mir diese himmlische Ruhe auf. Kein Telefon klingelt. Ich überprüfe mein Handy. Es ist eingeschaltet. Der Tag fängt gut an.

Ich lese, dass mein Kollege Pohlen gerade an einem spektakulären Fall arbeitet. Gut getroffen blickt er mir ernst aus der Zeitung entgegen. Ein gutes Foto und eine gute Presse für die Kanzlei.

Ich lese weiter. Langweilig! Immer die gleiche Scheiße ...

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