Verabredete Gruppenschlägerein - „Dritte Halbzeit“

Verabredete Schlägereien rivalisierender Gruppen sind selbst dann strafbar, wenn die Teilnehmer in Körperverletzungen einwilligen.

Durch das Landgericht Stuttgart (Urteil vom 10. Juli 2012 – 20 KLs 57 Js 58352/11 Hw.) wurden drei heranwachsende Angeklagte wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu unterschiedlichen Sanktionen des Jugendstrafrechts verurteilt. Die Taten waren geschehen, nachdem die Verurteilten als Mitglieder einer Jugendgruppe mit einer verfeindeten Gruppe – nach diversen gegenseitigen Provokationen – verabredet hatten, die Angelegenheit in einer Schlägerei auszutragen. Es lag de facto eine Übereinkunft der Beteiligten vor, die Auseinandersetzung mit Fäusten und auch Fußtritten zu führen. Der Eintritt auch schwerer Verletzungen wurde bewußt in Kauf genommen und gebilligt. Im Verlauf dieser so „geregelten“ Auseinandersetzung erlitten einige Personen der „gegnerischen Gruppe“ zum Teil erhebliche Verletzungen, die stationär und sogar auf der Intensivstation behandelt werden mußten.

Gegen die Verurteilung durch das Landgericht legten die Angeklagten Revision ein. Diese wurde jedoch vom Bundesgerichtshof (BGH) verworfen (Beschluss vom 20. Februar 2013 - 1 StR 585/12). Der zuständige 1. Strafsenat bestätigte damit die Rechtsauffassung des Landgerichts Stuttgart, das die Einwilligung der gegnerischen Gruppe in die Schläge und Tritte nicht als Rechtfertigung zugunsten der Angeklagten gewertet hatte. Zwar handelt nach § 228 StGB derjenige grundsätzlich nicht rechtswidrig, der eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt; dies aber nur dann, wenn die Tat trotz der Einwilligung nicht gegen die guten Sitten verstößt ...

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