Anspruch auf Opferentschädigung für Missbrauchsopfer erleichtert

Gewaltopfer, insbesondere Opfer von sexuellem Missbrauch, können nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) leichter eine staatliche Opferentschädigung beanspruchen. Können sie sich nur bruchstückhaft erinnern und gibt es keine brauchbaren Zeugen, reichen „glaubhafte Angaben“ aus, urteilten die Kasseler Richter am Mittwoch, 17.04.2013 (AZ: B 9 V 1/12 R). Gutachter dürfen danach keine überzogenen Maßstäbe ansetzen.

Geklagt hatte eine heute 51-jährige Frau aus dem Raum Detmold. Sie leidet unter einer Angst- und Persönlichkeitsstörung und ist deshalb schwerbehindert und arbeitsunfähig. Mehrere psychiatrische Diagnosen stellten ein Trauma in ihrer Kindheit fest.

Bruchstückhaft erinnerte sich die Frau, dass sie von ihrem Vater seit ihrer Geburt im Jahr 1962 bis 1980 regelmäßig misshandelt und schließlich auch sexuell missbraucht wurde. Der Vater bestritt die Taten. Nur die Tante konnte einzelne körperliche Misshandlungen bestätigen. Die Mutter verweigerte die Aussage. Zeugen oder andere Beweise für einen sexuellen Missbrauch gab es nicht.

Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe beantragte die Frau im September 1999 eine staatliche Opferentschädigung. Doch dass die Klägerin Opfer jahrelanger Misshandlungen oder sexuellen Missbrauchs geworden ist, sei nicht bewiesen, so die Behörde. Ein aussagepsychologisches Gutachten habe ergeben, dass auch die zerrütteten Familienverhältnisse für das erlittene Trauma verantwortlich sein können ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK