“Kinderärztin haftet nicht für unerkannte halbseitige Lähmungen eines Säuglings”

Das Oberlandesgericht Hamm hat in einem Urteil vom 11. März 2013 entschieden, dass halbseitige Lähmungen (eine linksseitige Hemiparese) eines Säuglings, die aus einem während der Geburt erlittenen Hirnschaden resultieren, für den behandelnden Kinderarzt im ersten Lebensjahr nicht erkennbar sein müssen, und daher auch kein Behandlungsfehler vorliege.

Ein Urteil, das sicherlich bei vielen Lesern auf völliges Unverständnis stößt, haben die Eltern doch durch die Wahrnehmung der Untersuchungen alles für ihr Kind getan. Wie kann es dann sein, dass ein Arzt die Erkrankung nicht erkennt? Wieso gibt das Gericht ihm Recht?

Was ist ein Behandlungsfehler? Um das Urteil zu verstehen, muss man wissen, wann ein Behandlungsfehler vorliegt, für den der Arzt verantwortlich gemacht werden kann. Von einem Behandlungsfehler spricht man dann, wenn ein Arzt bei seiner Behandlung gegen den in Deutschland zum Zeitpunkt der Behandlung geltenden Standard verstößt.

Rechtsanwältin Irem Scholz, Fachanwältin für Medizinrecht, spezialisiert auf Geburtschadensrecht

Hat ein Arzt seinen Patienten standardgemäß behandelt, jedoch das gewünschte Ergebnis der Behandlung nicht erreicht oder, was noch schwerer wiegt, geht es dem Patienten nach der Behandlung gesundheitlich schlechter als vorher, liegt kein Behandlungsfehler vor. Der Arzt schuldet dem Patienten nämlich keinen Erfolg bzw. keine Heilung.

Auch nach dem neuen Patientenrechtegesetz, das seit Februar 2013 in Kraft ist, muss der Patient den Beweis dafür erbringen, dass er aufgrund eines Behandlungsfehlers Anspruch auf Schadenersatz- und Schmerzensgeld hat. Er muss mindestens drei Dinge nachweisen: 1. dass ein Behandlungsfehler vorliegt, 2. dass der Patient einen Gesundheitsschaden erlitten hat und 3., dass der Behandlungsfehler diesen Gesundheitsschaden (mit-)verursacht hat ...

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