Wahrnehmungsfehler oder Suggestibilität

Korrigiert ein Zeuge bei falschen Vorhalten seine Aussage, spricht dies möglicherweise für eine Suggestibilität des Zeugens.

Nach einem Dorffest kam es auf dem Heimweg zwischen dem Angeklagten und der mutmaßlich Geschädigten zum Oralverkehr. Dabei wurden die Beiden vom langjährigen Freund der Frau erwischt. Während der Angeklagte von einvernehmlichem Oralverkehr spricht, behauptet die Frau, dass er sie vergewaltigt habe.

Das Landgericht Kassel verurteilte den Angeklagten wegen Vergewaltigung. Hauptsächlich stützte sich die Verurteilung auf die Aussage der Geschädigten. Auch die Aussage des Freundes erschüttert laut Landgericht die Glaubhaftigkeit der Aussage der Geschädigten nicht. Der Zeuge hatte im Prozess ausgesagt, dass die Strumpfhose der Geschädigten, entgegen ihrer eigenen Aussage, heruntergezogen war. Nachdem das Gericht dem Zeugen vorhielt, dass er bei der polizeilichen Vernehmung von einer Leggings sprach, korrigierte er seine Aussage. Der Bundesgerichtshof (BGH) kritisiert, dass das Landgericht die Aussage des Zeugen als Wahrnehmungsfehler bewertete, obwohl das Aussageverhalten auch für eine Suggestibilität sprechen könnte:

Dabei hat es indes nicht bedacht, dass der Zeuge F. – ausweislich der Urteilsgründe (UA S ...

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