Der eingelesene Polizeibeamte

Ach, was werden die armen Polizeibeamten oft durch Richter und Staatsanwälte beschimpft, wenn sie als Zeugen "unvorbereitet" in die Hauptverhandlung kommen und mitteilen, dass sie keine Zeit oder Möglichkeit hatten, zeitnah zur Hauptverhandlung die Akte zu lesen.

Ich habe mich schon immer gewundert und wundere mich weiter, warum Polizeibeamte die Akten vor der Hauptverhandlung überhaupt lesen dürfen, denn dadurch werden sie gegenüber anderen Zeugen privilegiert, von denen erwartet wird, dass sie -jedenfalls zunächst- nur und ausschließlich das berichten, was sie am Tag ihrer Aussage noch in Erinnerung haben. Zupft ein "normaler" Zeuge einen Notizzettel aus der Tasche, wird er sofort harsch angegangen, er habe nichts abzulesen, er solle gefälligst seine Erinnerung anstrengen.

Dieser Tage ein Paradebeispiel dafür, dass dieses "Einlesen" dazu führt, dass die Polizeibeamten gerade nicht das berichten, was sie in Erinnerung haben, sondern nur noch das, was sie einen Tag vor der Hauptverhandlung gelesen haben.

Solche Zeugen braucht an sich kein Richter oder sonstiger Beteiligter, Akten lesen kann man selbst, dafür braucht man keine Polizeibeamten als "Vorleser".

Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, konsequent sauber zu trennen zwischen dem, was noch in der Erinnerung ist und dem, was angelesen wird.

Der Polizeizeuge heute im Gericht berichtete mit uneingeschränkter Sicherheit, dass ihm ein bestimmter Zeuge vor einem knappen Jahr ein ganz bestimmtes Detail geschildert hatte. Der Zeuge war sicher, der Zeuge habe gesagt, dass ein Auto grün war. Durch besondere Umstände konnte der Polizeizeuge sich nicht durch Einlesen in die Akte auf die Hauptverhandlung vorbereiten ...

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