Warum Sassenspegel?

(Für Juristen und Nichtjuristen)

Ein Blog, das so heißt wie dieses, wirft die Frage nach Herkunft und Bedeutung seines Namens auf. Der Weg zu einer Antwort führt über die Rechtsgeschichte des deutschen Mittelalters.

Damals wurde das Recht zunächst in germanischer Tradition mündlich und durch gerichtliche Praxis überliefert. Die germanischen Stammesrechte galten als unabänderlich und wurden der Vielfalt, mit der das Hochmittelalter im 11. Jahrhundert begann, die Welt zu gestalten, nicht gerecht. So wurde denn viel neues Recht gesetzt. Zudem begann man, (antikes) römisches Recht und Rechtsdenken zu erforschen und zu übernehmen, womit Systematik und Schriftlichkeit Einzug in das Rechtswesen hielten.

Bald, noch lange vor dem, was ich als endgültigen Durchbruch des römischen Rechts bezeichnen würde (gemeint ist die praktische Rezeption), wurde die fehlende Schriftlichkeit der germanischen Stammesrechte als Mangel empfunden. Ein Ritter namens Eike von Repgow suchte im 13. Jahrhundert, diesen Mangel zu beheben, indem er das sächsische (vor allem das elb-ostfälische) Recht schriftlich niederlegte. Da er lediglich das gültige Recht widerspiegeln und nicht etwa neues Recht schaffen wollte, nannte er sein Werk „Spiegel der Sachsen“.

Heute gilt der „Sachsenspiegel“ als das wichtigste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters. Inhaltliche Qualität, Praxisbezug, Vollständigkeit und Systematik verhalfen dem Werk zu großem Einfluss. Mancherorts war der Text bis zum Ende des 19. Jahrhunderts (subsidiär) anwendbar. Noch im 20 ...

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