Wider dem Gutmenschentum: Til Schweigers erster Tatort

Ich hatte ne Menge Spaß mit dem Til Schweigers erstem Tatort, ‘Willkommen in Hamburg’, gestern Abend. Ok, die meisten Stellen an denen das Publikum in Grünen Jäger in Lachen ausbrach waren wohl nicht witzig gemeint, unterhaltsam war es aber auf jeden Fall.

Til Schweiger ballerte sich mit stoisch leidendem Gesichtsausdruck durch eine von Klischees trotzende Geschichte in der das Gute immer siegt und die Bösen an ihren Bärten erkennbar sind. Sein Charakter, Nick Tschiller, ist außerdem der erste Tatort-Kommissar mit Superkräften. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass er rennend ein Auto einholt und von hinten in dieses hinein springen kann.

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Interessant ist ‘Willkommen in Hamburg’ vor allem aus politischer Perspektive. Der Tatort ist generell nicht für seine realistische Darstellung von Kriminalität und Polizeiarbeit bekannt. Die Realität welche in dieser Folge konstruiert wird, muss im Kontext kriminalpolitischer Entwicklungen gesehen werden. In dieser Welt gibt es sehr klare Grenzen zwischen gut und böse. Die Polizei sorgt für Recht und Ordnung während bösartige Kriminelle unschuldige Opfer ausbeuten und vergewaltigen. Jedwede Begrenzung von Polizei hat daher nur zur Folge, dass die Verbrecher es leichter haben. Daher brauchen wir Figuren wie Nick Tschiller, die sich einen Dreck um die Regeln scheren und sich für das Gute einsetzten. Rechtsstaatsprinizip? Menschenrechte? Polizeigewalt? Diese Begriffe haben keinen Platz in dieser Welt. Dass es sich dafür rechtfertigen soll drei Menschen erschossen zu haben, ist für Nick Tschiller absolut unverständlich. Schließlich waren es Bösewichte, oder nicht?

In dieser Welt lebt anscheinend nicht nur Nick Tschiller, sondern auch Til Schweiger ...

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