Iudex non calculat: Das “Tausendjährige Reich”

Auf die organisatorischen Probleme des NSU-Prozesses in München habe ich ja bereits mehrfach hingewiesen. Nun bekommt die Angelegenheit durch eine Äußerung der Pressesprecherin des Oberlandesgerichts eine merkwürdige Richtung. Den Kollegen des Politmagazins “Kontrovers” (Bayerischer Rundfunk) sagte die Richterin Margarete Nötzel auf die Frage, ob es ein “historischer Prozess” werde:

“Ich bin kein großer Freund (…) von Etikettierungen etwa im Sinne von Jahrhundertprozess. Das Jahrhundert ist noch lang. Was in den restlichen 75 Jahren stattfindet, wissen wir alle noch nicht. Also wollen wir das doch erstmal abwarten. Das hat sowas, das hat so ein bisschen was anmaßendes so wie das Tausendjährige Reich, das dann vielleicht nur 15 Jahre gedauert hat oder sowas in der Art. Das schätze ich gar nicht.”

Einige Nebenklägervertreter und Verteidiger sind empört:

Manche wollen sich nicht offen zitieren lassen, sprechen aber von einer “Ungeheuerlichkeit” und stellen die Frage, welche Relevanz es hat, was die Pressesprecherin schätzt und was nicht. Ein Anwalt, der nicht namentlich zitiert werden wollte, sagte mir: “Die Aussage ‘ich schätze es nicht” mag allenfalls bei Hofe ihre Berechtigung haben. Nicht aber an einem Gericht im Rechtsstaat” ...

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