Die vergrabene Papagoyen-Kette

Auch wenn durch einen Bescheid aus dem Jahr 2010 festgestellt worden ist, dass eine Stadt Eigentümerin eines Gegenstandes geworden ist, dieser Gegenstand sich aber bereits seit dem Jahre 1945 im Besitz einer Familie befindet, ist der für die Verjährung maßgebliche Anspruch auf Herausgabe bereits 1945 entstanden (§ 198 BGB a.F.). Für den Beginn der Verjährungsfrist nach altem Recht ist es ohne Bedeutung, ob der Berechtigte von dem Bestehen des Anspruchs Kenntnis hatte oder Kenntnis haben konnte.

Mit dieser Begründung hat das Landgericht Berlin in dem hier vorliegenden Fall des Streits über die Herausgabe einer historischen Kette der ehemaligen Kaufmanns-Compagnie zu Wismar (sog. Papagoyenkette) die Klage abgewiesen. Bei der Kette handelt es sich um die zu Beginn des 17. Jahrhunderts von einem Wismarer Goldschmied gefertigte Insignie der Kaufmanns-Compagnie, verziert mit einem mächtigen Anhänger in Form eines Papagei sowie mit mehreren Anhängern in Form von Wappenschildern. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat ein Mitglied der Kaufmanns-Compagnie die Kette an sich genommen. Um zu verhindern, dass sie in die Hände der russischen Armee fiel, versteckte der Kaufmann die Kette in einer Dose und vergrub diese auf dem Friedhof in einem Familiengrab. Im April 1965 grub die jetzige Beklagte mit ihrem Vater die Kette wieder aus, brachte sie ohne Kenntnis der offiziellen Stellen der DDR in die Bundesrepublik und hatte sie in der Folgezeit dort in ihrem Besitz. Im Jahre 2010 stellte das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen fest, dass die Stadt Wismar – vorbehaltlich privater Rechte Dritter – Eigentümerin der Kette geworden sei. Mit der Klage begehrt die Hansestadt Wismar die Herausgabe der Papagoyenkette.

Nach Auffassung des Landgerichts Berlin hat die Verjährung gemäß § 198 BGB a.F ...

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