Contergangeschädigte müssen Zahnimplantate weitgehend selbst zahlen

Contergangeschädigte haben grundsätzlich keinen Anspruch auf die volle Kostenübernahme für Zahnimplantate durch die gesetzliche Krankenversicherung. Die Conterganschädigung sei kein besonderer, vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) aufgeführter Ausnahmefall, der die kostenfreie Implantat-Versorgung begründen kann, entschied das Landessozialgericht (LSG) Nordrhein-Westfalen in Essen in einem am Mittwoch, 27.02.2013, veröffentlichten Urteil (AZ: L 5 KR 95/11).

Im konkreten Rechtsstreit hatte der 1962 geborene Kläger von seiner Krankenkasse die volle Kostenübernahme für zwei Implantatzähne in Höhe von insgesamt 4.608,00 € beantragt. Der Mann berief sich dabei auf seine Conterganschädigung. Die Kasse erkannte zwar einen Härtefall an und wollte daher das Doppelte des bei Zahnimplantaten üblichen Festbetrags zahlen – insgesamt aber immer noch nur 579,00 €.

Der Kläger ist eines der Opfer des Anfang der 60er Jahre aufgedeckten Contergan-Skandals. Der Stolberger Pharma-Hersteller Grünenthal hatte bis dahin sein Beruhigungs- und Schlafmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid millionenfach weltweit verkauft. Das rezeptfreie Medikament wurde auch für Schwangere empfohlen. Es stellte sich aber heraus, dass Thalidomid Föten schädigt. Neugeborene litten an schweren Fehlbildungen oder dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen.

Bei dem Kläger bestehen Missbildungen an beiden Händen. Wegen einer später erlittenen Kopfverletzung ist er zusätzlich in seiner Grobmotorik stark eingeschränkt. Der schwer pflegebedürftige und schwerbehinderte Mann begründete seinen Antrag auf Implantatversorgung damit, dass er wegen seiner Missbildungen verstärkt seine Zähne benutzen müsse – beispielsweise beim Flaschenöffnen ...

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