Schuldner flüchtet nach England: Tipps für deutsche Gläubiger

Wie verhindert man, dass sich ein deutscher Schuldner der Zwangsvollstreckung durch Flucht nach England entzieht?

Es ist ein bereits seit mehreren Jahren bekanntes Phänomen: deutsche Unternehmer und zunehmend auch Verbraucher, denen die Schulden in Deutschland über den Kopf wachsen, ziehen kurzfristig nach England um und kurz darauf wird dort ein Insolvenzverfahren eröffnet. Für den Schuldner liegt trotz der saftigen Gebühren, die für ein englisches Insolvenzverfahren anfallen können, der Anreiz vor allem in der schnellen Restschuldbefreiung: Bereits ein Jahr nach der Verfahrenseröffnung steht einem „fresh start“ ohne Schulden im Normalfall nichts mehr im Wege, gegenüber der sechsjährigen Wohlverhaltensperiode nach deutschem Insolvenzrecht also ein erheblicher Vorteil.

Die Gläubiger in Deutschland erfahren von dem Umzug nach Großbritannien zumeist erst, wenn das Verfahren bereits eröffnet ist. Damit stellt sich zunächst einmal die Frage:

Betrifft mich als deutschen Gläubiger das Insolvenzverfahren in Großbritannien überhaupt? Die Antwort darauf ist eindeutig: ja! In Großbritannien gilt, ebenso wie in Deutschland, die Europäische Insolvenzverordnung (EuInsVO). Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, ein Insolvenzverfahren, das in einem anderen Mitgliedstaat wirksam eröffnet wurde, mit allen Wirkungen anzuerkennen, die das Verfahren im Eröffnungsstaat hat. Für den deutschen Gläubiger heißt das: wenn in Großbritannien eine Restschuldbefreiung erteilt worden ist, kann man normalerweise auch in Deutschland seine Forderung nicht mehr durchsetzen. Zwar gilt auch hier: keine Regel ohne Ausnahme. Unter engen Voraussetzungen ist es auch möglich, die Anerkennung des britischen Verfahrens zu verhindern. Aber: diese Strategie ist riskant! Die EurInsVO ermöglicht es den deutschen Gerichten, ein ausländisches Insolvenzverfahren nicht anzuerkennen, wenn ein Verstoß gegen den so genannten „ordre public“ vorliegt ...

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