Ablauf des UK Insolvenzverfahrens (aus Gläubigersicht)

Mit den (vermeintlichen) Vorteilen eines Insolvenzverfahrens in England für den Schuldner wird überall geworben. Googelt man “Insolvenz England” erhält man rund 750.000 Treffer und zehn bezahlte GoogleAds von “Wirtschaftsdiensten” (siehe hier).

Als Gläubiger, dessen Schuldner sich gerade nach England abgesetzt hat, fragt man sich da: Kann sich mein Gläubiger wirklich so einfach aus dem Staub machen? Oder kann ich meine Forderungen trotzdem noch effektiv durchsetzen? Die überraschende Antwort: Die Durchführung eines Insolvenzverfahrens in England benachteiligt nicht automatisch die Gläubiger. Ob sich aus den rechtlichen Unterschieden mehr Vor- oder Nachteile ergeben, hängt immer von den Umständen des Einzelfalls ab. Anders gesagt: Vielleicht schießt der Schuldner mit seiner Flucht auf die Insel sogar ein Eigentor.

Aus Sicht deutscher Gläubiger dürfte der entscheidende Vorteil des englischen Insolvenzrechts in seiner Flexibilität liegen, nicht zuletzt, weil das englische Recht gleich eine Vielzahl unterschiedlicher Insolvenzverfahrensarten kennt. Sowohl bei Verbraucher- als auch bei Unternehmerinsolvenzen gilt: wenn überhaupt noch werthaltiges Vermögen vorhanden ist, kann man als Gläubiger das Verfahren die verschiedenen Einflussnahmemöglichkeiten sinnvoll zu seinen eigenen Gunsten nutzen. Im Gegenzug verlangt das englische Insolvenzrecht den Gläubigern aber auch mehr Eigeninitiative ab als das deutsche Insolvenzverfahren.

Zumindest bei Unternehmensinsolvenzen ist die Anwendung englischen Rechts oft für die Gläubiger sogar vorteilhafter. Der Grund für eine Verlagerung des Unternehmenssitzes nach England liegt oft darin, dass man sich die unbürokratischen und flexiblen Möglichkeiten des englischen Insolvenzrechts für eine Unternehmenssanierung zu Nutzen machen will ...

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