das belastet einen Verteidiger und @lapddorner #lapddorner

Die Gedanken aus den Strafverhandlungen fangen auch einen Verteidiger oft noch Tage danach. So geht mir die Steuerhinterziehungssache vor einem Schöffengericht nicht aus dem Kopf. Der Mandant war Mitgeschäftsführer einer GmbH. Die Mitgeschäftsführerin war zuständig für Steuern etc. Halt für alles was mit Zahlen zu tun hat. Der Mandant selbst war im Außendienst und kümmerte sich um das Personal. Er gibt an, von den nicht abgeführten Steuern erst erfahren zu haben, als es zu spät gewesen sei. So die Kurzfassung. Was belastet ist aber das Rechtsgespräch. Der Staatsanwalt war der Ansicht, dass die Einlassung des Mandanten ein Geständnis sei. OK. Auf meinen Einwand, dass noch der Steuerberater gehört werden müsste (am Rande die Frage, warum nicht gegen diesen ermittelt wurde, blieb offen... ), hieß es dann, es könnten ohne weiteres auch über zwei Jahre Freiheitsstrafe werden... . Also ohne Bewährung. Aha. Nur, wenn genickt wird, gibt es Bewährung und wenn der nicht vorbestrafte Mandant aber eine umfassende Aufklärung haben will, dann nicht ? Denken so Staatsanwälte ? Ich habe da meine Schwierigkeiten mit und muss das dem völlig entsetzten Mandanten vermitteln. Aber wie vermittelt man das einem gestandenen Geschäftsmann ohne vorherige Berührungspunkte mit der Justiz ? Die Frustration beim Mandanten sitz tief ob dem Kontakt mit der gerechtigkeitssuchenden Gerichtsbarkeit und ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl. Da der Mandant auch nichts mehr zu verlieren hat, mit dem Urteil in jeder Hinsicht ruiniert wäre, habe ich echte Befürchtungen, dass er sich nun suizidiert. Jedenfalls wundert es mich nicht, dass keiner mehr den Mut hat sich selbstständig zu machen und ein Unternehmen aufzubauen. Das Risiko in das Räderwerk der Justiz zu geraten und dann ohne Rücksicht auf Verluste und Persönlichkeit "zermalmt" zu werden, ist nicht mehr greifbar. Und persönliche Schicksale sind den Strafverfolgungsbehörden egal ...Zum vollständigen Artikel


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