Anscheinsbeweis beim Auffahrunfall?

Zu dem Standardwissen vieler verkehrsrechtlich Interessierter gehört es, dass der Auffah-rende bei einem Unfall grundsätzlich alleine schuld sei. Dies stellt jedoch einen recht weit verbreiteten Irrtum dar. Auch hier gilt nämlich wie so oft bei den lieben Juristen: Es kommt darauf an. Immer dann, wenn bei einem Auffahrunfall mehrere Möglichkeiten des Hergangs offen bleiben, streitet gerade kein Anscheinsbeweis für eine dieser Möglichkeiten. Dabei ge-nügt es auch nicht, dass eine Möglichkeit wahrscheinlicher ist als die andere.

In einem vom Oberlandesgericht Hamm am 03. März 2012 entschiedenen Fall war das mit 160 bis 170 km/h fahrende Fahrzeug des späteren Klägers abends auf der Autobahn auf ein in gleicher Richtung fahrendes weiteres Fahrzeug aufgefahren. Dabei war streitig, ob die Kollision auf der linken oder aber auf der rechten Fahrspur erfolgt war.

Das Oberlandesgericht ist zu dem Ergebnis gekommen, dass dem Kläger ein Anspruch auf Ersatz von 40 Prozent seines Schadens zustand. Weiter gehende Ansprüche wurden nicht zuerkannt, auf 60 Prozent blieb der Kläger also sitzen.

Ein Anscheinsbeweis zu Lasten des auffahrenden Klägers sei, so die Auffassung der Richter, nicht anzunehmen. Ein derartiger Anscheinsbeweis setze voraus, dass die beteiligten Fahrzeuge nachweislich eine gewisse Zeit hintereinander in einer Fahrspur gefahren seien. Dies war allerdings vorliegend ja gerade nicht bewiesen, sondern zwischen den Parteien streitig ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK