Fristlose Kündigung – Was darf sich ein Chefarzt alles erlauben oder ist Autofahren schwieriger als Operieren?

Ärzte gelten bekanntlich als „Halbgötter in weiß“. Doch sind sie deshalb auch arbeitsrechtlich unantastbar? Ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 25.12.2012 – 2 AZR 495/11 – scheint dies nahe zu legen.

Folgender Fall erregte Aufsehen: Ein – offenbar multitaskingfähiger – Chefarzt eines deutschen Krankenhauses nahm zu Operationen regelmäßig auch sein privates Handy mit in den Operationssaal und wies das OP-Personal an, jeden Anruf anzunehmen. Um die Privatgespräche führen zu können, unterbrach er teilweise die Operationen oder ließ sich das Handy an sein Ohr halten, während er Operationen fortführte. Die Telefonate, bei denen es sich zum Beispiel um Gespräche wegen „wichtiger Termine“ mit dem für sein Eigenheim beauftragten Fliesenleger handelte, dauerten bisweilen mehrere Minuten. Zwar bekam der narkotisierte und auf dem OP-Tisch „präparierte“ Patient hiervon nichts mit. Auch kam es zum Glück bei keinem der operierten Patienten zu Kunstfehlern. Allerdings empfand das OP-Team die Privatgespräche als äußerst störend.

Als der Krankenhausträger hierüber informiert wurde, kündigte er dem Chefarzt wegen dieses Verhaltens und auch wegen anderer Verstöße ohne vorherige Abmahnung fristlos, hilfsweise fristgemäß.

Das LAG Rheinland-Pfalz hielt die Kündigung für unwirksam und wurde vom BAG zumindest im Ergebnis bestätigt. Da die Parteien eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen hatten, kam es entscheidend auf die fristlose Kündigung an. Hatte das LAG sich in seiner Urteilsbegründung noch in erster Linie auf die Interessenabwägung und soziale Gesichtspunkte gestürzt – der „verantwortungsbewusste“ Arzt war damals 49-jähriger Vater zweier Kinder – so betonte das BAG nun, dass eine fristlose Kündigung nur das letzte Mittel sei und regelmäßig eine vorangegangene einschlägige Abmahnung erfordere, an der es jedoch fehlte ...

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