Die kleine Hexe: “Negerkinder” und “Führer” – von Zensur in der Kunst

Die Entscheidung des Thienemann-Verlages, aus “Die kleine Hexe” von Ottfried Preußler das Wort „Neger“ zu streichen, sorgt für eine anhaltende Kontroverse in den Feuilletons – Unterstützung für die Zensur ist selten. Dies ist durchaus nicht immer der Fall. So lautet der Schlusssatz in Wagners „Lohengrin“ eigentlich „Seht da den Herzog von Brabant!/Zum Führer sei er euch ernannt!“, es ist jedoch völlig üblich, das eine Wort durch „Schützer“ zu ersetzen, ohne dass sich Widerstand regen würde.

Kunstwerke sind Ausfluss ihrer Zeit, und die gelebte Sprache erfährt fortwährende Anpassung. So bleibt es nicht aus, dass sich Begriffe ändern, neue Bedeutungen annehmen oder aufgrund ihrer zu gewissen Zeiten ein ewiges Reizwort bleiben werden. Anders als die Oper, bei der jede Aufführung ein eigenständiges Kunstwerk ist, ist das Buch etwas für sich feststehendes. Wie ein Bild gemalt ist, ist das Buch geschrieben. Zumindest im Grundsatz, denn oft gibt es auch hier verschiedene Fassungen.

Bei Thomas Mann macht sich die “Große kommentierte Frankfurter Ausgabe” derzeit an eine teilweise Neuformulierung, da u.a. aufgrund Manns teils nicht lesbarer Handschrift Texte abweichend vom Manuskript abgedruckt waren. „Politisch korrekte“ Anpassungen finden sich auch bei Mann. Im „Wälsungenblut“ lautete der Schlusssatz, der sich auf einen jüdischen Bürger bezieht, lange „Er wird nun ein minder triviales Dasein führen, von nun an“, statt des ursprünglichen „Beganeft haben wir ihn, den Goi“. Hier entschied sich der Verlag zum gegenteiligen Vorgehen als der Thienemann-Verlag bei „Die kleine Hexe“: erstmals wird der ursprüngliche Satz wieder gedruckt. Im Kommentarband kann man sich mit dieser Entscheidung und den Hintergründen ausführlich auseinandersetzen. Auseinandersetzen muss man sich übrigens auch mit allen anderen antisemitischen Klischees, von denen die Novelle genug zu bieten hat ...

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  • S.P.O.N. - Der Kritiker: Das hässliche "Neger" ist tot, tot, tot

    spiegel.de - 5 Leser - "Was ist denn gegen das Wort Neger zu sagen?" Eine Menge. Nennen wir nur mal die einfachsten Argumente: Der Begriff ist deplatziert, hässlich und tot. Und Deutschland wird freier, schöner und aufgeklärter sein, wenn nicht nur Kinderbücher auf das N-Wort verzichten - sondern wir alle.

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