Das war’s in Sigmaringen

Alle Vorwürfe eventueller Nostalgie und feuilletonistischer Anwandlungen sind berechtigt. Aber es ist auch Sonntag, klar?

Die süddeutsche Stadt Sigmaringen kennt man im Norden nicht unbedingt, was auch an der Geschichtsvergessenheit unserer preußischen Zauselköpfe liegt, die manchmal glauben, man müsse Schwaben belehren, dass es in Berlin nicht „Weckle“ sondern „Schrippen“ heiße. Stimmt zwar, aber der ethnische Abgrenzungsanspruch zwischen Schwaben und Preußen ist etwas lächerlich, denn beide Landesteile sind nun einmal durch das Erbe der Hohenzollern verbunden. Aber Herr Thierse hat das sicher in hunderten Emails nachgelesen, mittlerweile. Sigmaringen jedenfalls, das ist ein Hohenzollernsitz und deshalb, krude gesagt, ebenso ein Zeichen Preußens in Schwaben wie Sanssouci ein Zeichen Schwabens in Preußen…ich lasse es lieber, bevor ich mir auch noch die Finger verbrenne.

Sigmaringen war immer ziemlich militarisiert. Als z.B. die Vichy-Regierung in Frankreich am Ende des 2. Weltkriegs nicht mehr zu halten war, floh sie – nach Sigmaringen, weshalb in den Straßen „befreundete“ französische Uniformierte Einzug hielten. Gleich nach nebenan – ins berüchtigte Schloss Grafeneck, einer tatsächlich so genannten „Tötungsanstalt“ – konnte einen in den 40er Jahren der Weg führen, wenn die Braunen befanden, man sei „lebensunwert“.

Geschichtsgetränkter Boden also, und keineswegs nur schöne Geschichte.

Nichts von alledem wusste Ihr Autor, als er – zufällig am amerikanischen Unabhängigkeitstag (der damals in Deutschland noch unbekannter als heute war) des Jahres 1988 – mit dem Zug in Sigmaringen ankam und sich bei hunderten neuer Rekruten am Bahnhof einreihte, um zur Graf-Stauffenberg-Kaserne gefahren zu werden. Das war der Beginn meiner Wehrdienstzeit, die damals 15 Monate dauern sollte ...

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