Richterliches Behördendeutsch aus dem letzten Jahrhundert

In der Schweiz müssen nicht nur geschwätzige Rechtsanwälte mit richterlicher Kritik rechnen, sondern erfreulicherweise auch Behörden, deren Deutschkenntnisse als mangelhaft beurteilt werden. Ein Beispiel dafür findet sich in einem obiter dictum des Obergerichts des Kantons Zürich, das sich im Sommer 2012 mit den Entscheiden eines Bezirksrates in einer Vormundschaftsangelegenheit zu befassen hatte (mit Hervorhebungen durch den Autor):

«Es ist angezeigt, für das weitere Verfahren auf zwei Punkte hinzuweisen: […] Der zweite Entscheid des Bezirksrates ist in einem einzigen Satz abgefasst, der sich über mehrere Seiten hinzieht. Die Amtssprache im Kanton Zürich ist Deutsch (Art. 48 KV), und die deutsche Sprache wird grundsätzlich in Hauptsätzen gesprochen und geschrieben. Die aus dem vorletzten Jahrhunderts stammende Technik des ‹in der Erwägung dass…, dass …› ist heute für den durchschnittlichen Leser und selbst für Rechtsmittelinstanzen nur noch schwer verständlich. Sie verleitet auch dazu, Banalitäten auszudrücken wie etwa die mitunter anzutreffende Floskel ‹nach Einsicht in die Akten …›– in einem ordentlich formulierten Entscheid würde niemand schreiben: ‹Das Gericht hat Einsicht in die Akten genommen› ...

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