Gérard, Wladimir und der Vaterlandsverrat – steuerrechtlich alles umsonst?

Lustige Meldungen kommen dieser Tage aus Russland, das eigentlich noch im staatlich verordneten Winterschlaf liegen sollte: Der große Gérard Depardieu, eigentlich französischer Nationalheld, taucht nach lautstarkem Streit mit seinem Heimatstaat zu einem weihnachtlichen Besuch bei seinem Freund Wladimir auf, der ihn an seinem Ferienort Sotschi empfängt und gleich mit einem russischen Pass ausstattet!

Dann noch hübsche Bilder mit Gérard im russischen Kittel vor der absurd trostlosen Szenerie einer Großbaustelle des provinziellen Saransk, wo er sich gleich eine Wohnung in dem Betonsilo aussuchen darf, das aber wohl erst einmal nicht tut. Und all das begleitet mit lautem Geschimpfe in Frankreich, wo der französischste aller Schauspieler plötzlich ein Vaterlandsverräter ist und Unverständnis andernorts für die Elogen, die er plötzlich über seinen Freund Wladimir in jedes Mikrofon spricht. Und das alles nur wegen der Steuern?

Wir haben da so unsere Zweifel.

Sollten tatsächlich nur Steuerfragen der Grund gewesen sein für all den Radau (und nicht vielleicht einfach nur die Lust am Skandal), dann wäre die Geschichte vom neuen Russen Depardieu nicht nur höchstgradig skurril, sondern einfach nur ein großes Missverständnis. Uns gibt sie Anlass, einige Grundprinzipien des internationalen und des russischen Steuerrechts einmal kurz zu rekapitulieren:

Russland bietet mit einem Einkommensteuersatz von 13 % auf das Einkommen eines russischen Steuerresidenten (terminologisch eingedeutscht: der in Russland unbeschränkt steuerpflichtigen Person) einen der niedrigsten persönlichen Steuersätze weltweit. Eine Progression gibt es nicht. Unabhängig von der Höhe des Einkommens gilt der Einheitssatz. Diese Tatsache ist mit der Depardieu-Posse wohl erstmalig der Öffentlichkeit ins Bewußtsein geraten. Insofern war die Geschichte ein echter Publicity-Coup für Russland, und bis hierher ist sie auch gar nicht falsch ...

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