Der Anspruch eines Anzeigenerstatters auf Anonymität

Das allgemeine Persönlichkeitsrecht gibt dem Anzeigenerstatter einer schweren Straftat auch nach dem rechtskräftigen Freispruch des von ihm Beschuldigten einen Anspruch darauf, nicht zum Gegenstand öffentlicher Darstellung gemacht zu werden. Der Anzeigenerstatter begibt sich dieses Rechts auf Anonymität aber jedenfalls dann, wenn er den angezeigten Sachverhalt an eine Filmgesellschaft verkauft und den Film im Vorfeld der Produktion durch Interviews bewirbt.

Zwar steht der Anzeigenerstatterin – im hier vom Landgericht Mannhein entschiedenen Fall einer Radiomoderatorin – wie jedermann das aus Art. 1 und Art. 2 GG abgeleitete allgemeine Persönlichkeitsrecht zu, das u.a. grundsätzlich das Recht umfasst, in seiner Privatsphäre in Ruhe gelassen zu werden und nicht unter Nennung des vollständigen Namens um Gegenstand öffentlicher Darstellung gemacht zu werden.

Die in der öffentlichen Nennung des vollständigen Namens liegende Beeinträchtigung der Anzeigenerstatterin ist jedoch nur dann rechtswidrig und verleiht gegenüber dem Störer – im vorliegenden Fall ein Moderator, Journalist und Unternehmer, der einer breiten Öffentlichkeit u.a. durch die Wettervorhersage im Anschluss an die Tagesschau bzw. Tagesthemen bekannt wurde – ein Abwehrrecht (§§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 BGB in rechtsanaloger Anwendung), wenn im Einzelfall aufgrund einer Güter- und Interessenabwägung die Rechtswidrigkeit des Eingriffs festgestellt werden kann. Ein Eingriff in die Privatsphäre kann zur wahrheitsgemäßen Aufklärung über Vorgänge, die für die Allgemeinheit von Bedeutung sind, gerechtfertigt sein. Außerdem ist derjenige in geringerem Maße schutzwürdig, der die Veröffentlichung von Informationen aus seiner Privatsphäre duldet, billigt oder fördert ...

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