2013 drehen alle Arbeitnehmer voll durch

Wirklich: Der DGB meint, das sei schon 2012 und das Jahr davor und das Jahr davor und das Jahr davor so gegangen, Tendenz steigend, versteht sich, Burnout auf dem Vormarsch; Frühverrentung wegen psychischer Schrottreife ebenso; auch die aktuelle Meldung (diesmal über die Deutsche Rentenversicherung Bund und die “Welt am Sontag” verbreitet) wird so etwas vier- bis fünfmal im Jahr geklont.

Dabei ist nichts so schwer einzuschätzen wie die Psyche der Menschen, noch dazu für Arbeitgeber und Sozialversicherer – wenn die Menschen, die betroffen sind, Arbeitnehmer und damit (auch) Anspruchssteller sind. Nicht alles ist natürlich Lug und Trug auf diesem Gebiet. Die Anerkennung der Depression als massive und unterschätzte Erkrankung hat in der öffentlichen Wahrnehmung Jahrzehnte gedauert, war aber ein Fortschritt. Subjektiv-empirisch hat die alltägliche Aushändigung des „gelben Scheins“ durch einen nachlässig-verantwortungslosen Arzt (in bestimmten Konstellationen ein Regelfall) aufgrund einer vorgeblich psychischen Erkrankung, die eine Woche zwischen zwei Feiertagsblöcken andauert, aber auch einen anderen Grund: Anders als bei einer Infektion fällt die Überprüfung schwerer. Wo sonst alle immer ohne Anlass „Missbrauch“ schreien, bleiben die Mahner beim Thema „psychische Erkrankung am Arbeitsplatz“ auffallend still. Das wird sich noch rächen, Opfer werden die ernsthaft psychisch Kranken sein.

Warum so viel Gift und Galle zum Jahresende? Weil 2013 die beginnende Erosion medizinischer Diagnosestandards drohen könnte (Kurzübersicht in einem übrigens auffällig gut recherchierten Artikel bei n-tv ). Wir werden unbemerkt alle zu Spinnern, hätte man früher dazu gesagt.

In Deutschland gibt es amtliche Diagnoseklassen, die von der Weltgesundheitsorgnisation übernommen werden (ICD-10 in der Version 2013). Das ist keine Bibel, aber als wissenschaftlicher Standard funktioniert es international erstaunlich gut für arbeitsrechtliche Zwecke ...

Zum vollständigen Artikel

  • Immer mehr Frühverrentungen: Rekord bei Burnouterkrankungen

    n-tv.de - 9 Leser - Depressionen und Angstzustände hindern immer mehr Menschen daran, ihrer Arbeit nachzugehen. Inzwischen sind die psychischen Erkrankungen der häufigste Grund für die Frühverrentung von Erwerbstätigen. Besonders betroffen sind Frauen.

  • "Inflation psychischer Erkrankungen": Handbuch verursacht Streit

    n-tv.de - 8 Leser - Das Handbuch ist noch nicht gedruckt, doch der Streit darum schwelt schon seit Jahren. Im Frühjahr soll die neue Version des US-Katalogs zur Definition psychischer Störungen erscheinen: das sogenannte DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). Mehr als ein Jahrzehnt haben hunderte Experten um die Klassifikationen gerungen.

  • Psychiater im Fall Mollath – Gutachten aus der Ferne

    sueddeutsche.de - 11 Leser - Gustl Mollath, der seit fast sieben Jahren in der Psychatrie sitzt, ist von mehreren Experten begutachtet worden. Doch die meisten haben ihn gar nicht selbst untersucht, sondern beziehen sich nur auf die Expertisen der anderen.

  • One Last Chance for the APA to Make the DSM-5 Safer

    huffingtonpost.com - 4 Leser - Is there a last-minute way for the DSM-5 to restore some of its lost credibility? A great deal of irrevocable damage has been done, but I have four simple suggestions that would help reduce the harm done by the DSM-5 and demonstrate that the APA has regained its integrity.

  • DSM-5 Is a Guide, Not a Bible: Simply Ignore Its 10 Worst Changes

    huffingtonpost.com - 8 Leser - My best advice to clinicians, to the press, and to the general public -- be skeptical and don't follow DSM-5 blindly down a road likely to lead to massive over-diagnosis and harmful over-medication. Just ignore the 10 changes that make no sense.

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK