Einmal “Mengele” ist genug…

Es gibt für Talkshows einen Index, der misst, wann der erste Teilnehmer mit einem unpassenden Nazivergleich kommt. Je länger die Zeitspanne dauert, desto besser die Talkshow.

Im Arbeitsrecht sind Nazivergleiche auch außerordentlich beliebt. Bei Mitarbeitern, die dann eine Kündigung bekommen. Warum sie trotzdem nicht aufhören, lässt sich vermutlich nur von Soziologen erklären.

Auch Josef Mengele, der Lager-”Arzt” von Auschwitz, fällt einem beim Stichwort “Nazi” ein.

Mengele ist wegen seiner Menschenexperimente, seines ultimativen Verrats am hippokratischen Eid und seiner stillen, kalten Grausamkeit eine besonders unheimliche Figur, nicht zuletzt, weil viele Forscher rätseln, was ihn getrieben hat. Weder auffälliger Naziideologe noch durch besonderen Rassismus oder Antisemitismus hervorgetreten, als er noch jünger war, fehlt es schon an der oberflächlichsten Erklärung, die sein Handeln begreifbar machen würde. Er war einfach nur und ausschließlich kalt und bösartig.

Ärzte werden auch deshalb, weil sie denselben Beruf wie Josef Mengele ausüben – der Form nach jedenfalls – ungern mit ihm verglichen. Das kann man verstehen.

Als deshalb ein Arzt eines Berliner Krankenhauses während einer längeren OP seinen Chef als “Josef” beschimpfte (wobei beide Parteien bestätigen, dass klar war, wie es gemein war…), flog er raus.

Das Arbeitsgericht Berlin fand nicht, das reiche für eine Kündigung, gar eine fristlose.

Die zuständige Kammer fand es von Bedeutung, ob die Äußerung mehrfach oder nur einmalig gefallen war. Weil der Arbeitgeber von einer Wiederholungstat ausgeht, hatte das Gericht ihn beauflagt, die anderen Vorfälle unter Beweis zu stellen. Das hat er absichtlich nicht getan, um nicht Heerscharen von Zeugen in das Verfahren zu ziehen, die noch miteinander arbeiten sollen, auch nach dem Verfahren. Einmal Mengele reicht, meinte der Arbeitgeber – und verlor.

Er wird, das ist angekündigt, in die Berufung gehen ...

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